Trump, umzingelt von Frauen in Weiß

Die in Weiß gekleideten Oppositionsfrauen prägen die Bilder der Rede zur Lage der Nation von US-Präsident Trump. Nur an einer Stelle brandete Jubel bei ihnen auf.

Gruppenbild in Weiß, die demokratischen Kongressabgeordneten setzten mit der Farbe ihrer Outfits ein Zeichen.
Gruppenbild in Weiß, die demokratischen Kongressabgeordneten setzten mit der Farbe ihrer Outfits ein Zeichen.
Gruppenbild in Weiß, die demokratischen Kongressabgeordneten setzten mit der Farbe ihrer Outfits ein Zeichen. – (c) APA/AFP/SAUL LOEB (SAUL LOEB)

Dutzende Frauen in Weiß sitzen Donald Trump im Halbrund des Parlamentssaals gegenüber. Es sind überwiegend Frauen der Opposition, die während seiner Rede ein optisches Signal für die Frauenrechte aussenden: Mit ihrer Garderobe erinnern sie an die weiß gekleideten Aktivistinnen, die vor 100 Jahren in den USA das volle Wahlrecht für Frauen erkämpften.

Für die Politikerinnen ist ihr Weiß an diesem Dienstagabend im Kongress aber auch ein Signal gegen den US-Präsidenten, der in ihren Kreisen als Frauenverächter gilt. Die Oppositionsfrauen in Weiß - viele von ihnen neu im Kongress - verfolgen Trumps Rede zur Lage der Nation über weite Strecken mit versteinerten Gesichtern. Seine flammenden Aufrufe zu Kompromissen im erbitterten Streit um den Staatshaushalt und die Einwanderungspolitik perlen an ihnen ab. Es wird deutlich, dass sie dem Präsidenten das Versöhnungspathos nicht abkaufen.

Nur an einer Stelle seiner rund 80-minütigen Rede schafft es Trump, die Frauen in Weiß in Begeisterung zu versetzen: Als er die Rekordzahl von Frauen im neu gewählten Kongress würdigt, springen sie auf, klatschen sich gegenseitig ab und jubeln. Der Präsident ist amüsiert. "Das hättet Ihr nicht tun sollen", witzelt er.

Kurzer Moment der gemeinsamen Euphorie

Der Jubel der Frauen geht unterdessen in "USA! USA!"-Rufe über, die sowohl von Demokraten als auch Republikanern kommen. Es ist ein kurzer Moment parteiübergreifender Euphorie - der aber nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass Trump mit seiner Rede nichts dazu beiträgt, die extreme politische Polarisierung in Washington zu überwinden.

Denn nicht nur, dass seine Aufrufe, jahrzehntelange "Spaltungen zu überbrücken" und "neue Koalitionen zu bauen", von vornherein der Glaubwürdigkeit entbehren. Sie passen wenig mit seinem üblichen Haudrauf-Modus zusammen. Außerdem führt Trump seine Versöhnungsbotschaft in anderen Redepassagen ad absurdum, in denen er auf seinen festgefahrenen Positionen beharrt.

So hält der Präsident an seinem von der Opposition vehement abgelehnten Projekt einer Mauer an der Grenze zu Mexiko fest: "Ich bekomme sie gebaut", ruft er trotzig aus.

Der Mauer-Streit hatte die Budgetsperre ausgelöst, die fünf Wochen lang die Bundesbehörden großteils lahmlegte - und Trumps Popularitätswerte absacken ließ. Und ein weiterer "Shutdown" droht, sollten Trump und der seit Jahresanfang teilweise von den Demokraten beherrschte Kongress nicht rasch einen Kompromiss finden - nur bis 15. Februar läuft ein Übergangsetat.

Doch Trump hat sich mit seinem Mauer-Projekt selbst eingemauert: Er steht mit dem Vorhaben bei seiner Kernwählerschaft im Wort. Und deshalb zieht er auch in dieser Rede polemisch gegen die illegale Zuwanderung vom Leder, indem er etwa die Trecks zentralamerikanischer Migranten als "gewaltigen Angriff" auf das Land anprangert.

Attacken gegen Russland-Ermittler

Nicht nur damit provoziert Trump die Opposition. Er wütet auch gegen die Ausschussuntersuchungen zu den Russland-Kontakten seines Wahlkampfteams und anderen dubiosen Vorgängen rund um seine Person und Präsidentschaft. "Lächerlich" und "parteiisch" nennt er diese Nachforschungen, mit dem ihm die Demokraten kraft ihrer bei den November-Wahlen errungenen Mehrheit im Repräsentantenhaus zu Leibe rücken wollen.

Die massive Gegenwehr aus dem Parlament, mit der sich Trump neuerdings konfrontiert sieht, illustriert nicht nur der weiße Frauenblock in seinem Angesicht - sondern auch eine weitere weiß gekleidete Parlamentarierin, die während der Rede in seinem Rücken sitzt. Oppositionschefin Nancy Pelosi, die seit Jänner dem Repräsentantenhaus vorsteht, hatte wegen der Etatsperre Trumps Rede im Parlament verschoben - und ihm damit ihre neue Macht vorgeführt.

Während seiner Ansprache kommt Pelosis Körpersprache einem durchlaufenden Kommentar gleich. Auch sie zollt stehenden Applaus, als Trump die Rekordzahl von Frauen im Kongress erwähnt. Und auch sie verharrt in regungsloser Ablehnung, als er für seine Mauer wirbt. Die Frauen in Weiß - so sieht es zumindest an diesem Abend aus - haben Trump umzingelt.

(APA/AFP)

Lesen Sie mehr zum Thema
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Trump, umzingelt von Frauen in Weiß

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.