„Wir Sozialdemokraten“: Als die CDU-Chefin ihre Partei verwechselte

Die neue CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer zählt eher zum linken Flügel der CDU. Nun sorgt sie mit einem Versprecher für Häme: "Endlich mehr Ehrlichkeit in der Politik!"

Annegret Kramp-Karrenbauer (hier auf einem Archivbild) sorgte mit einem Versprecher für Gelächter.
Annegret Kramp-Karrenbauer (hier auf einem Archivbild) sorgte mit einem Versprecher für Gelächter.
Annegret Kramp-Karrenbauer (hier auf einem Archivbild) sorgte mit einem Versprecher für Gelächter. – (c) APA/AFP/JOHN MACDOUGALL (JOHN MACDOUGALL)

Angela Merkel hängt der Ruf nach, sie habe die CDU nach links gerückt, also sozialdemokratisiert. Von ihrer Nachfolgerin im CDU-Spitzenamt, Annegret Kramp-Karrenbauer, sagen manche, sie sei eine "Mini-Merkel". Wer so denkt, der fühlte sich wohl am Sonntagabend bestätigt, als Kramp-Karrenbauer ihre eigene Partei mit der SPD verwechselte. Eine Parteiveranstaltung (just zur Aufarbeitung von Merkels Flüchtlingspolitik) eröffnete sie da mit den Worten „Ich freue mich insbesondere, dass wir dies nicht nur als Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten heute Abend hier unter uns tun, sondern dass wir dies gemeinsam mit Freundinnen und Freunden der CSU tun.“

Ein kleiner Versprecher. Nicht mehr. Aber in Deutschland macht er seither Karriere. "Endlich mehr Ehrlichkeit in der Politik!", witzelte FDP-Mann Marco Buschmann.

Kramp-Karrenbauer zählt sozialpolitisch eher zum linken CDU-Flügel. Einen Mindestlohn fand sie schon gut, als er in der CDU noch ein Tabu war. Zeitweise konnte sie sich mit einem Spitzensteuersatz von 53 Prozent anfreunden. Der frühere FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle soll sie einmal eine „schwarzlackierte Sozialistin“ genannt haben.

Der kleine Versprecher fällt jedoch in eine Zeit, in der sich CDU und SPD wieder schärfer von einander abgrenzen wollen. Die SPD räumt in diesen Tagen Hartz-IV ab. Kramp-Karrenbauer kümmert sich um jene, die sie nicht gewählt haben, also etwa der wirtschaftsliberale Flügel ihrer Partei. Die Forderung nach einer Komplettabschaffung des „Soli“, also des Solidaritätszuschlags, ist ein erstes Friedensangebot.

"Schöne Grüße"

Man kann dem Videoclip mit dem Versprecher trotzdem eine große Karriere in den sozialen Netzwerken vorhersagen. Er wird immer dann zirkulieren, wenn jemandem eine Position der neuen CDU-Chefin zu links ist. Und irgendjemand findet sich immer. Das Internet vergisst nicht.

Man muss es wohl mit Humor nehmen. Kramp-Karrenbauer ist das einigermaßen gelungen. Als sie ihren Fauxpas nach Gelächter und Zurufen ("Christdemokraten!" nicht Sozialdemokraten) bemerkt, nutzt sie das für eine kleine Spitze gegen die SPD: Ihr Versprecher habe „etwas damit zu tun, dass die Sozialdemokraten zur Zeit gerade dabei sind, ein großes Trauma ihrer Partei, nämlich das Thema Hartz IV aufzuarbeiten. Schöne Grüße.“

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