Die zehn vergessenen Konflikte der Welt

Die internationale Aufmerksamkeit richtet sich auf einige wenige Krisenherde. Viele Katastrophen bleiben unbeachtet - obwohl sie Tausende Tote fordern. Die Hilfsorganisation Care gibt in ihrem Report "Suffering in Silence" einen Überblick

Das Leben von über 132 Millionen Menschen weltweit war im Jahr 2018 von Krisen und Katastrophen bedroht. Doch nicht über das Schicksal aller ist in den Medien zu lesen. Manche von ihnen leben in Regionen, die touristisch uninteressant, nicht relevant für die globale Sicherheit oder einfach schwer zu erreichen sind.

Dass ihnen keine Medienberichterstattung zu Teil wird, hänge vor allem mit schrumpfenden Geldmitteln für die humanitären Krisen zusammen, argumentiert die Hilfsorganisation Care. Sie gibt in ihrem Report "Suffering in Silence" einen Überblick über zehn vergessene Konflikte - ermittelt durch die Auswertung von über 1,1 Millionen Online-Artikeln.

Sudan

Im Sudan leben 5,5 Millionen Menschen seit 15 Jahren am Rande des Existenzminimums. Vor allem in der Provinz Darfur mangelt es an allem. Eines von sechs Kindern ist unterernährt. Dürreperioden bedrohen rund 19 Millionen Hektar fruchtbares Land. Der Klimawandel macht den Bauern zu schaffen. Fluten und Starkregen erschweren die Lage zusätzlich. 

Über 923.000 Geflüchtete sind außerdem im Land, großteils aus dem Nachbarland Südsudan. Im Vergleich zu ihrem Heimatland ist der Sudan ein sicherer Hafen. Doch viele Menschen dort sehen sich aufgrund der humanitären Lage selbst zur Flucht gezwungen: Zwei Millionen Sudanesen sind innerhalb der Landesgrenzen geflüchtet.

(c) APA/AFP/ASHRAF SHAZLY (ASHRAF SHAZLY)

Zentralafrikanische Republik

Bewaffnete Gruppen und politische Unruhen heizen die Spannungen in der zentralafrikanischen Republik an. Es ist eines der ärmsten Länder der Welt - trotz reicher natürlicher Ressourcen. 2,9 Millionen Menschen, fast zwei Drittel der Gesamtbevölkerung, sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Für Hilfsorganisationen ist es wegen der vielen kriegerischen Auseinandersetzungen schwierig, zu den Menschen vorzudringen. Rund 40 Prozent der Kinder sind unterernährt. Viele junge Mädchen werden gezwungen sich zu prostituieren, um ihr Überleben zu sichern.

(c) REUTERS (Siegfried Modola)

Niger

Die Menschen im Niger leiden unter den sich ausdehnenden Wüsten im Land, unter Ernährungsmangel und Vertreibungen. Im Jahr 2018 belegte das Land in der Sahelzone den letzten Platz des "Human Development Index". Geflüchtete aus Nachbarländern stellen eine weitere Belastung dar - viele davon aus Nigeria. In der Grenzregion gibt es häufig Angriffe und politische Instabilität. 2018 waren 1,4 Millionen Menschen von Nahrungsknappheit betroffen, eine halbe Million mehr als noch im Jahr zuvor. Frauen und Mädchen leiden unter sexualisierter Gewalt, Burschen laufen Gefahr, als Soldaten rekrutiert zu werden.

(c) APA/AFP/SOULEMAINE AG ANARA (SOULEMAINE AG ANARA)

Äthiopien

Äthiopien ist im "Suffering in Silence"-Report von Care gleich zwei Mal vertreten. Auf Rang sieben wegen der Vertreibung der Menschen innerhalb des Landes. Wiederkehrende gewaltsame Übergriffe zwangen im Grenzgebiet von Gedeo und West Yuji eine Millione Menschen dazu, zwischen April und Juli vergangenen Jahres ihre Heimat zu verlassen. Es gab viele Tote, ganze Siedlungen wurden niedergebrannt.

Schon vor der Krise war es ein besonders dicht besiedeltes Gebiet, das nun mit der Versorgung der Geflüchteten Landsleute überfordert ist. Die Not und der Bedarf an Lebensmitteln, sauberem Wasser und einer grundlegenden Gesundheitsversorgung sind größer geworden.

(c) REUTERS (MAGGIE FICK)

Tschad

Die Tschadseeregion kam auch im Jahr 2018 nicht zur Ruhe und wurde dennoch auch im Vorjahr kaum medial thematisiert. Der Tschad ist von Hunger geplagt, mehr als viel Millionen Menschen haben nicht genug zu essen. Durch den Klimawandel fielen die Ernten noch schlechter aus. Der See ist in den vergangenen 55 Jahren auf etwa ein Zwanzigstel seiner ursprünglichen Größe geschrumpft - auch wegen des hohen Wasserbedarfs der Landwirtschaft.

Der Zugang für humanitäre Helfer bleibt trotz minimaler Verbesserungen der Sicherheitslage schwierig. Die gewaltsamen Konflikte zerstören die Lebensgrundlagen vieler Menschen. Und aus den Nachbarländern Nigeria, Zentralafrika und dem Sudan kommen außerdem Flüchtlinge ins Land.

(c) APA/AFP/LUDOVIC MARIN (LUDOVIC MARIN)

Philippinen

Haben sie viel von Taifun Mangkhut gehört im letzten Jahr? Wohl kaum. Viele Medien berichteten zwar, doch die Auswirkungen blieben großteils unbeleuchtet. Über eine Millionen Menschen mussten ihr Zuhause verlassen. Häuser und Ernten wurden zerstört. Insgesamt waren 3,8 Millionen Menschen betroffen. Dabei herrschte schon vor dem Taifun in der Region im Norden der Insel Luzon eine hohe Armutsrate. Und nach Mangkhut gab es weitere Taifune. Viele Gemeinden waren mehrfach betroffen. Die Philippinen sind eines der von Naturkatatastrophen am meisten gefährdeten Länder in Asien.

(c) APA/AFP/SIMVALE SAYAT (SIMVALE SAYAT)

Demokratische Republik Kongo

"Ein Teufelskreis von Gewalt, Krankheit und Unterernährung", schreibt Care. Denn seit über 20 Jahren kennt die Hälfte der Bevölkerung in der Demokratischen Republik Kongo nur Krieg und Konflikt. Die landwirtschaftliche Produktion geht zurück, 12,8 Millionen Menschen sind von Hunger bedroht. Cholera und Ebola sind eine ständige Bedrohung. Vor allem im Osten und im Zentrum des Kongos gibt es viele Flüchtende.

Verletzungen der Menschenrechte und sexualisierte Gewalt sind keine Seltenheit. Die Kriminalitätsrate steigt, denn dem Staat fehlen die Mittel für eine konsequente Strafverfolgung. Und trotz all dieser Probleme suchen im Kongo 530.000 Vertriebene aus Nachbarländern Schutz. Die Zahl der Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind, hat sich im schon von 2016 auf 2017 Jahr auf acht Millionen verdoppelt.

(c) APA/AFP/JOHN WESSELS (JOHN WESSELS)

Madagaskar

Madagaskar leidet besonders unter dem Klimawandel. Phänomen "El Nino" hat Mais-, Maniok- und Reisfelder vertrocknen lassen. Im Süden der Insel sind 1,3 Millionen Menschen vom Hunger bedroht. Gleichzeitig steigen die Nahrungsmittelpreise. Familien sind gezwungen, ihre Besitztümer zu verkaufen und Mahlzeiten zu reduzieren. Vor allem Mädchen sind betroffen, da sich durch die Ernährungsunsicherheit das Risiko von geschlechtsspezifischer Gewalt, Missbrauch und Ausbeutung erhöht. Fast die Hälfte aller Kinder in Madagaskar ist unterentwickelt. Zur schlechten Ernte und der Unterernährung kommen noch Tropenstürme, die Madagaskar immer wieder treffen. Auch Pest und Masern werden vermehrt zum Problem.

(c) APA/AFP/RIJASOLO (RIJASOLO)

Äthiopien

Und nochmal Äthiopien. Über die Hunger-Katastrophe im Land wurde besonders wenig berichtet. Obwohl 2018 nach zwei Dürrejahren endlich wieder Regen fiel, erholte sich die Landwirtschaft nur langsam. In Afar und Somali führte der starke Regen aber zu Überschwemmungen. Acht Millionen Menschen im Süden brauchen nun Nahrungsmittelhilfe. Für die Gemeinden wird es immer schwerer, sich von den klimabedingten Verlusten zu erholen. Dabei sind von der Natur und den Feldern viele Menschen abhängig: Rund 84 Prozent der äthiopischen Haushalte in ländlichen Gebieten sind auf Landwirtschaft angewiesen. Kinder werden aus der Schule genommen, Kinderarbeit und Kinderehen treten häufiger auf. Der vorhergesagte El Nino wird die Not 2019 vermutlich weiter verschärfen, prognostiziert Care.

(c) REUTERS (MAGGIE FICK)

Haiti

2010 war Haiti wegen des katastrophalen Erdbebens regelmäßig in den Schlagzeilen. Doch die Ernährungskrise im Vorjahr schaffte es kaum in die Medien. Dabei ist die Hälfte der Bevölkerung von Hunger bedroht, jedes fünfte Kind ist chronisch unterernährt. Gründe dafür sind wiederkehrende Naturkatastrophen und extreme Armut. Politische Unruhen, ein schwaches Sozialsystem und schlechte Städteplanung führten zu starker Urbanisierung und Landflucht - und zu großen Slums. Chancen auf sozialen Aufstieg gibt es kaum. Drei Viertel der Haitianer leben von weniger als 1,75 Euro am Tag.

Hurrikane, Eredbeben und El Nino verschärfen die Situation Jahr für Jahr. Die Cholera bleibt außerdem eines der größten Probleme. Zwischen Jänner und Oktober 2018 gab es 3000 Verdachtsfälle.

Die Krise in Haiti wurde übrigens nur in 503 News-Beiträgen erwähnt - von 1,1 Millionen ausgewerteten.

(c) APA/AFP/HECTOR RETAMAL (HECTOR RETAMAL)

Die Hilfsorganisation Care appelliert an Regierungen und Politiker, Journalisten Zugang zu Gebieten zu gewähren, die von Krisen betroffen sind. Dabei sei es wesentlich, sich inhaltlich auch auf den Hilfsbedarf zu konzentrieren und nicht nur auf die schnelle Schlagzeile. Mediale Aufmerksamkeit und finanzielle Mittel für Frauen und Kinder sei besonders wichtig. "Sie sind die ersten, die ihre Kindheit verlieren. Gleichzeitig sind sie die letzten, die zu essen bekommen, die letzten die zur Schule gehen dürfen", heißt es im Report.

Medienschaffende sollten außerdem hinterfragen, ob die Leser wirklich "uninteressiert ist an humanitären Nachrichten".

>> Zum Care-Report

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Das Leben von über 132 Millionen Menschen weltweit war im Jahr 2018 von Krisen und Katastrophen bedroht. Doch nicht über das Schicksal aller ist in den Medien zu lesen. Manche von ihnen leben in Regionen, die touristisch uninteressant, nicht relevant für die globale Sicherheit oder einfach schwer zu erreichen sind.

Dass ihnen keine Medienberichterstattung zu Teil wird, hänge vor allem mit schrumpfenden Geldmitteln für die humanitären Krisen zusammen, argumentiert die Hilfsorganisation Care. Sie gibt in ihrem Report "Suffering in Silence" einen Überblick über zehn vergessene Konflikte - ermittelt durch die Auswertung von über 1,1 Millionen Online-Artikeln.

Sudan

Im Sudan leben 5,5 Millionen Menschen seit 15 Jahren am Rande des Existenzminimums. Vor allem in der Provinz Darfur mangelt es an allem. Eines von sechs Kindern ist unterernährt. Dürreperioden bedrohen rund 19 Millionen Hektar fruchtbares Land. Der Klimawandel macht den Bauern zu schaffen. Fluten und Starkregen erschweren die Lage zusätzlich. 

Über 923.000 Geflüchtete sind außerdem im Land, großteils aus dem Nachbarland Südsudan. Im Vergleich zu ihrem Heimatland ist der Sudan ein sicherer Hafen. Doch viele Menschen dort sehen sich aufgrund der humanitären Lage selbst zur Flucht gezwungen: Zwei Millionen Sudanesen sind innerhalb der Landesgrenzen geflüchtet.

(c) APA/AFP/ASHRAF SHAZLY (ASHRAF SHAZLY)

Zentralafrikanische Republik

Bewaffnete Gruppen und politische Unruhen heizen die Spannungen in der zentralafrikanischen Republik an. Es ist eines der ärmsten Länder der Welt - trotz reicher natürlicher Ressourcen. 2,9 Millionen Menschen, fast zwei Drittel der Gesamtbevölkerung, sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Für Hilfsorganisationen ist es wegen der vielen kriegerischen Auseinandersetzungen schwierig, zu den Menschen vorzudringen. Rund 40 Prozent der Kinder sind unterernährt. Viele junge Mädchen werden gezwungen sich zu prostituieren, um ihr Überleben zu sichern.

(c) REUTERS (Siegfried Modola)

Niger

Die Menschen im Niger leiden unter den sich ausdehnenden Wüsten im Land, unter Ernährungsmangel und Vertreibungen. Im Jahr 2018 belegte das Land in der Sahelzone den letzten Platz des "Human Development Index". Geflüchtete aus Nachbarländern stellen eine weitere Belastung dar - viele davon aus Nigeria. In der Grenzregion gibt es häufig Angriffe und politische Instabilität. 2018 waren 1,4 Millionen Menschen von Nahrungsknappheit betroffen, eine halbe Million mehr als noch im Jahr zuvor. Frauen und Mädchen leiden unter sexualisierter Gewalt, Burschen laufen Gefahr, als Soldaten rekrutiert zu werden.

(c) APA/AFP/SOULEMAINE AG ANARA (SOULEMAINE AG ANARA)

Äthiopien

Äthiopien ist im "Suffering in Silence"-Report von Care gleich zwei Mal vertreten. Auf Rang sieben wegen der Vertreibung der Menschen innerhalb des Landes. Wiederkehrende gewaltsame Übergriffe zwangen im Grenzgebiet von Gedeo und West Yuji eine Millione Menschen dazu, zwischen April und Juli vergangenen Jahres ihre Heimat zu verlassen. Es gab viele Tote, ganze Siedlungen wurden niedergebrannt.

Schon vor der Krise war es ein besonders dicht besiedeltes Gebiet, das nun mit der Versorgung der Geflüchteten Landsleute überfordert ist. Die Not und der Bedarf an Lebensmitteln, sauberem Wasser und einer grundlegenden Gesundheitsversorgung sind größer geworden.

(c) REUTERS (MAGGIE FICK)

Tschad

Die Tschadseeregion kam auch im Jahr 2018 nicht zur Ruhe und wurde dennoch auch im Vorjahr kaum medial thematisiert. Der Tschad ist von Hunger geplagt, mehr als viel Millionen Menschen haben nicht genug zu essen. Durch den Klimawandel fielen die Ernten noch schlechter aus. Der See ist in den vergangenen 55 Jahren auf etwa ein Zwanzigstel seiner ursprünglichen Größe geschrumpft - auch wegen des hohen Wasserbedarfs der Landwirtschaft.

Der Zugang für humanitäre Helfer bleibt trotz minimaler Verbesserungen der Sicherheitslage schwierig. Die gewaltsamen Konflikte zerstören die Lebensgrundlagen vieler Menschen. Und aus den Nachbarländern Nigeria, Zentralafrika und dem Sudan kommen außerdem Flüchtlinge ins Land.

(c) APA/AFP/LUDOVIC MARIN (LUDOVIC MARIN)

Philippinen

Haben sie viel von Taifun Mangkhut gehört im letzten Jahr? Wohl kaum. Viele Medien berichteten zwar, doch die Auswirkungen blieben großteils unbeleuchtet. Über eine Millionen Menschen mussten ihr Zuhause verlassen. Häuser und Ernten wurden zerstört. Insgesamt waren 3,8 Millionen Menschen betroffen. Dabei herrschte schon vor dem Taifun in der Region im Norden der Insel Luzon eine hohe Armutsrate. Und nach Mangkhut gab es weitere Taifune. Viele Gemeinden waren mehrfach betroffen. Die Philippinen sind eines der von Naturkatatastrophen am meisten gefährdeten Länder in Asien.

(c) APA/AFP/SIMVALE SAYAT (SIMVALE SAYAT)

Demokratische Republik Kongo

"Ein Teufelskreis von Gewalt, Krankheit und Unterernährung", schreibt Care. Denn seit über 20 Jahren kennt die Hälfte der Bevölkerung in der Demokratischen Republik Kongo nur Krieg und Konflikt. Die landwirtschaftliche Produktion geht zurück, 12,8 Millionen Menschen sind von Hunger bedroht. Cholera und Ebola sind eine ständige Bedrohung. Vor allem im Osten und im Zentrum des Kongos gibt es viele Flüchtende.

Verletzungen der Menschenrechte und sexualisierte Gewalt sind keine Seltenheit. Die Kriminalitätsrate steigt, denn dem Staat fehlen die Mittel für eine konsequente Strafverfolgung. Und trotz all dieser Probleme suchen im Kongo 530.000 Vertriebene aus Nachbarländern Schutz. Die Zahl der Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind, hat sich im schon von 2016 auf 2017 Jahr auf acht Millionen verdoppelt.

(c) APA/AFP/JOHN WESSELS (JOHN WESSELS)

Madagaskar

Madagaskar leidet besonders unter dem Klimawandel. Phänomen "El Nino" hat Mais-, Maniok- und Reisfelder vertrocknen lassen. Im Süden der Insel sind 1,3 Millionen Menschen vom Hunger bedroht. Gleichzeitig steigen die Nahrungsmittelpreise. Familien sind gezwungen, ihre Besitztümer zu verkaufen und Mahlzeiten zu reduzieren. Vor allem Mädchen sind betroffen, da sich durch die Ernährungsunsicherheit das Risiko von geschlechtsspezifischer Gewalt, Missbrauch und Ausbeutung erhöht. Fast die Hälfte aller Kinder in Madagaskar ist unterentwickelt. Zur schlechten Ernte und der Unterernährung kommen noch Tropenstürme, die Madagaskar immer wieder treffen. Auch Pest und Masern werden vermehrt zum Problem.

(c) APA/AFP/RIJASOLO (RIJASOLO)

Äthiopien

Und nochmal Äthiopien. Über die Hunger-Katastrophe im Land wurde besonders wenig berichtet. Obwohl 2018 nach zwei Dürrejahren endlich wieder Regen fiel, erholte sich die Landwirtschaft nur langsam. In Afar und Somali führte der starke Regen aber zu Überschwemmungen. Acht Millionen Menschen im Süden brauchen nun Nahrungsmittelhilfe. Für die Gemeinden wird es immer schwerer, sich von den klimabedingten Verlusten zu erholen. Dabei sind von der Natur und den Feldern viele Menschen abhängig: Rund 84 Prozent der äthiopischen Haushalte in ländlichen Gebieten sind auf Landwirtschaft angewiesen. Kinder werden aus der Schule genommen, Kinderarbeit und Kinderehen treten häufiger auf. Der vorhergesagte El Nino wird die Not 2019 vermutlich weiter verschärfen, prognostiziert Care.

(c) REUTERS (MAGGIE FICK)

Haiti

2010 war Haiti wegen des katastrophalen Erdbebens regelmäßig in den Schlagzeilen. Doch die Ernährungskrise im Vorjahr schaffte es kaum in die Medien. Dabei ist die Hälfte der Bevölkerung von Hunger bedroht, jedes fünfte Kind ist chronisch unterernährt. Gründe dafür sind wiederkehrende Naturkatastrophen und extreme Armut. Politische Unruhen, ein schwaches Sozialsystem und schlechte Städteplanung führten zu starker Urbanisierung und Landflucht - und zu großen Slums. Chancen auf sozialen Aufstieg gibt es kaum. Drei Viertel der Haitianer leben von weniger als 1,75 Euro am Tag.

Hurrikane, Eredbeben und El Nino verschärfen die Situation Jahr für Jahr. Die Cholera bleibt außerdem eines der größten Probleme. Zwischen Jänner und Oktober 2018 gab es 3000 Verdachtsfälle.

Die Krise in Haiti wurde übrigens nur in 503 News-Beiträgen erwähnt - von 1,1 Millionen ausgewerteten.

(c) APA/AFP/HECTOR RETAMAL (HECTOR RETAMAL)

Die Hilfsorganisation Care appelliert an Regierungen und Politiker, Journalisten Zugang zu Gebieten zu gewähren, die von Krisen betroffen sind. Dabei sei es wesentlich, sich inhaltlich auch auf den Hilfsbedarf zu konzentrieren und nicht nur auf die schnelle Schlagzeile. Mediale Aufmerksamkeit und finanzielle Mittel für Frauen und Kinder sei besonders wichtig. "Sie sind die ersten, die ihre Kindheit verlieren. Gleichzeitig sind sie die letzten, die zu essen bekommen, die letzten die zur Schule gehen dürfen", heißt es im Report.

Medienschaffende sollten außerdem hinterfragen, ob die Leser wirklich "uninteressiert ist an humanitären Nachrichten".

>> Zum Care-Report