Chinas uigurisches Massenexperiment

In der Provinz Xinjiang verschwinden Hunderttausende Menschen in Umerziehungslagern. Auch Berichte über Folter und Tote machen die Runde. Peking aber nennt die Berichte lächerlich.

Mindestens eine Million Menschen sind in Umerziehungslagern in Xinjiang interniert. Kinder wissen nicht, wo ihre Eltern sind.
Mindestens eine Million Menschen sind in Umerziehungslagern in Xinjiang interniert. Kinder wissen nicht, wo ihre Eltern sind.
Mindestens eine Million Menschen sind in Umerziehungslagern in Xinjiang interniert. Kinder wissen nicht, wo ihre Eltern sind. – (c) REUTERS (Stringer China)

Wien/Urumqi. Als Murat Hari Uyghur die Stimme seiner Eltern nach mehr als einem Jahr am Telefon hörte, wusste er, dass etwas nicht stimmte. „Ich bin ihr einziger Sohn. In meiner Kultur weinen wir normalerweise vor Freude. Aber meine Mutter lachte“, erzählt der Arzt und Autor. Ihrer Beschwichtigung, er solle sich keine Sorgen machen, glaubte er nicht. „Ich konnte ihre Angst spüren, mir zu sagen, was passiert war.“

Zunächst war seine Mutter im April 2017 in der westchinesischen Provinz Xinjiang in ein Umerziehungslager gebracht worden. „Deine Mutter ist studieren gegangen“, sagte sein Vater damals am Telefon, Mandarin- und Patriotismusunterricht sollte sie besuchen. Im Jänner 2018 verschwand auch er. Warum genau, weiß der 33-Jährige, der mit seiner Familie nach Finnland gezogen ist, nicht. „Ich glaube, weil ich im Ausland lebe. Meine Eltern sind gebildete, bereiste Leute – vor allem aber sind sie ethnische Uiguren.“

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("Die Presse"-Printausgabe, 14.3.2019)

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