Neuseeland: Attentäter gibt an, Kontakt zu Massenmörder Anders Breivik gehabt zu haben

Der 28-jährige Australier, der für den Tod von mindestens 49 muslimischen Gläubigen verantwortlich sein könnte, schwadroniert in einem 74-Seiten langen Manifest von "weißem Genozid".

Bei dem Anschlag auf zwei Moscheen starben mindestens 49 Menschen.
Bei dem Anschlag auf zwei Moscheen starben mindestens 49 Menschen.
Bei dem Anschlag auf zwei Moscheen starben mindestens 49 Menschen. – APA/AFP/TESSA BURROWS

"Do not go gentle into that good night" - "Geh nicht gelassen in die gute Nacht", beginnt der mutmaßliche Attentäter von Neuseeland sein 74 Seiten langes Manifest, das er kurz vor seinem Angriff auf zwei Moscheen veröffentlichte. In dem Gedicht des walisischen Schriftstellers Dylan Thomas ruft ein Sohn seinen sterbenden Vater auf, um sein Leben zu kämpfen.

Der Attentäter, der sich als 28-jähriger Australier mit schottischen und irischen Wurzeln vorstellt, schwadroniert von einem "weißen Genozid", der seiner Meinung nach zu einem Aussterben der Europäer führen werde. Massenimmigration und hohe Geburtenraten seien der Hauptgrund dafür. Mit dem Anschlag habe er sich an den "Invasoren" rächen wollen.

Der Titel des Hass-Manifests "The Great Replacement" (Der große Austausch) geht auf eine aus Frankreich stammende rechtsextreme Verschwörungstheorie zurück, wonach die Bevölkerung in Europa durch Zuwanderer ersetzt werden soll. In dem Schreiben verharmlost der Attentäter seine rassistischen Überzeugungen. Er hasse keine Ausländer oder Muslime solange sie in ihrer Heimat blieben, sagt der junge Mann, der sich selbst als Europäer, als "Ethno-Nationalist" und "Öko-Faschist" versteht.

Zu seiner Radikalisierung hätten die Niederlage der französischen Rechtspopulistin Marine Le Pen bei der Präsidentschaftswahl 2017 und der Tod einer Elfjährigen bei einem Lkw-Anschlag in Stockholm beigetragen, er.

Türkenbelagerung als Vorbild

Und so unterstütze er Menschen, die für seine Überzeugungen eintreten, erklärt er. Darunter Anders Behring Breivik, der 2011 auf der norwegischen Insel Utøya 69 Menschen, zumeist noch halbe Kinder, erschoss. Davor hatte der Rechtsextremist mit einer Bombe acht Menschen im Osloer Regierungsviertel getötet. Er sei mit Breivik in Kontakt gestanden, Kontakte aus dem Umfeld Breiviks hätten ihm den Segen für seine "Mission" erteilt.

Auch auf den britischen Faschisten und Nazi-Sympathisanten Oswald Mosley nimmt der Verdächtige Bezug, ebenso wie auf historische Persönlichkeiten, die gegen Osmanen gekämpft haben. So nennt er den serbischen Nationalhelden Milos Obilic, der 1389 in einer Schlacht gegen die Osmanen den türkischen Sultan ermordete. Die Türkenbelagerung 1683, den erfolglosen Versuch des Osmanischen Reichs, Wien einzunehmen, bezeichnet er als "Ideal eines heroischen Krieges".

Ebenso wie Unterstützer identifiziert der Australier auch Feindbilder. Er ruft dazu auf, die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, die wegen ihrer Willkommenskultur in Kritik stand, den Londoner Bürgermeister Sadiq Khan, ein Muslim pakistanischer Abstammung, und den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, den er als "Führer der größten islamischen Gruppe in Europa" bezeichnet, zu ermorden.

(red.)

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