Neuseeland: Anklage gegen Attentäter erhoben

Der Australier Brenton Tarrent (28) muss sich nach seinem Angriff auf zwei Moscheen in Neuseeland wegen mindestens 49-fachen Mordes verantworten.

Der Attentäter Brenton Tarrant (28) am Samstag im Gericht von Christchurch.
Der Attentäter Brenton Tarrant (28) am Samstag im Gericht von Christchurch.
Der Attentäter Brenton Tarrant (28) am Samstag im Gericht von Christchurch. – APA/AFP/POOL/MARK MITCHELL

Der südpazifische Inselstaat Neuseeland steht weiter unter dem Schock der Anschläge Rechtsextremer auf zwei Moscheen in Christchurch, bei denen am Freitag mindestens 49 Menschen erschossen worden waren. Neuesten Angaben zufolge waren unter den Opfern auch mehrere Kinder. Der Haupttäter, der 28-jährige Australier Brenton Tarrant, wurde am Samstag bei einem Gerichtstermin in Christchurch auf der Südinsel angeklagt. Ihm droht lebenslange Haft. Nach aktuellem Wissen scheint er die Schüsse in den Moscheen alleine abgefeuert zu haben. Dabei übertrug er seine Aktion per Helmkamera 17 Minuten lang ins Internet.

Inwiefern zwei weitere Verhaftete involviert waren, war vorerst unklar. 39 Menschen lagen am Samstag mit Schusswunden in Spitälern, elf davon in Intensivbehandlung. Als Reaktion auf die schwerste Bluttat seit Neuseelands Unabhängigkeit 1907 will die Regierung das Waffenrecht verschärfen. Tarrant, der aus dem australischen Bundesstaat New South Wales stammt, lebt seit Jahren in Neuseeland, hatte wie viele Bürger dort einen Waffenschein und war in einem Schützenverein. Kurz vor dem Anschlag hatte er im Internet ein 74-seitiges „Manifest“ verbreitet, in dem er seine Motive darlegte. Es handelt sich im Kern um teilweise wirre Gedanken aus dem rechtsextremen und rassistischen Milieu der „White-Power“-Bewegung, die von der Überlegenheit, aber auch Gefährdung der weißen „Rasse“ etwa durch Schwarze und Moslems ausgeht. Sich selbst bezeichnet Tarrant darin als „faschistisch“ und „rassistisch“.

Man weiß, dass er bisher den Behörden nicht aufgefallen war. Er soll als Arbeiterkind in Grafton im Nordosten von New South Wales aufgewachsen sein. Nach der Matura ließ er sich zum Fitnesstrainer ausbilden und begann 2009 in Grafton einen Job in einem Fitness-Center. Sein Vater starb 2010 an Krebs. 2011 kündigte er und unternahm in den folgenden Jahren lange Reisen, unter anderem nach Pakistan, Nordkorea und Europa, dort war er zumindest in Bulgarien, Kroatien, Serbien, Ungarn, der Türkei und Frankreich. Das Geld dafür stammte teils aus der Erbschaft, teils aus Erträgen aus Bitconnect, einem betrügerischen Pyramidensystem mit Kryptowährung, das 2018 kollabierte.

Nach seiner Rückkehr sei er verändert gewesen, sagt die Besitzerin des Fitnessstudios. Offenbar habe es ihn, so Beobachter, zutiefst verstört, wie sehr sich Muslime in der westlichen Welt ausgebreitet hatten, worauf ihm, wie er schreibt, im Frühjahr 2017 in Westeuropa die Idee gekommen sei, dagegen ein Zeichen zu setzen. Er beschrieb im Manifest seinen „Schock“ angesichts der „Invasion“ französischer Städte durch Immigranten. Die türkischen und bulgarischen Behörden wollen nun seine Aufenthalte dort näher untersuchen. Neuseelands Premierministerin, Jacinda Ardern, sagte am Samstag, Tarrant habe noch anderswo morden wollen, wäre er nicht von zwei Polizisten, die mit ihrem Auto seinen Wagen rammten, gestellt worden. Die Beamten seien Helden.

„Wir lieben dieses Land nach wie vor“, erklärte unterdessen Ibrahim Abdul Halim, Imam der Moschee in Linwood, einem Vorort von Christchurch. Dort starben sieben Gläubige im Kugelhagel. „Extremisten werden niemals unser Vertrauen erschüttern.“ ?

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.03.2019)

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