Sri Lanka: Warnung vor weiteren Anschlägen

Zahran Hashim, der mutmaßliche Drahtzieher der Terrorserie, ist ums Leben gekommen. Die Polizei ist aber auf der Jagd nach rund 70 IS-Sympathisanten.

Symbolbild.
Symbolbild.
Symbolbild. – (c) REUTERS (DINUKA LIYANAWATTE)

Wien/Colombo. Das Schicksal des Drahtziehers der Terrorserie in Sri Lanka scheint geklärt. Zahran Hashim ist nach Angaben des Präsidenten Sirisena bei einem der Selbstmordanschläge am Ostersonntag im Luxushotel Shangri-La in Colombo ums Leben gekommen. Die Gefahr ist allerdings längst nicht gebannt. Die Polizei ist weiterhin auf der Jagd nach 70 Sympathisanten der Terrormiliz IS, mindestens sechs gelten als potenzielle Attentäter. Die Behörden warnten darum vor weiteren Attentaten und riefen die Gläubigen auf, die Freitagsgebete in den Moscheen und die Sonntagsgottesdienste in den Kirchen zu meiden.

Die Polizei- und Militärpräsenz auf der Insel ist massiv. Rund 10.000 Sicherheitskräfte sind im Sondereinsatz, sie patrouillieren in den Straßen der Städte, Plätze um Moscheen und Kirchen sind abgeriegelt. Die inhaftierten Verdächtigen – darunter welche aus Syrien und Ägypten – gaben bei Verhören an, dass die Attentäter im Ausland Waffentraining erhalten hätten.

Dies spricht für die These, dass der sogenannte Islamische Staat in seinem Kerngebiet in Syrien und im Irak zwar vorläufig besiegt ist, sich die Terroraktivitäten des IS aber an die Ränder der islamischen Welt verlagert haben – nach Afrika und Südostasien. Auf den Philippinen rekrutierte der IS Kämpfer der Abu-Sayyaf-Gruppe, die im Jänner einen Anschlag auf eine Kirche mit 23 Toten verübt haben.

 

Mob gegen Muslime

Während in Sri Lanka die Angst vor neuen Terrorschlägen umgeht, wächst zugleich die Furcht vor Vergeltungsschlägen. In Negombo richtete sich der Volkszorn laut „New York Times“ gegen pakistanische Flüchtlinge. Ein Mob von christlichen Männern zog von Haus zu Haus, zertrümmerte Fenster, brach Türen auf, zerrte Menschen ins Freie, schlug den Muslimen ins Gesicht und drohte, sie zu töten. „Wir fühlen uns nicht mehr sicher in Sri Lanka“, sagt einer der Flüchtlinge, die sich in Sprache und Aussehen von den einheimischen Muslimen unterscheiden. Sie sind Mitglieder der Ahmadiyya, einer kleinen islamischen Sekte, die in Pakistan der Verfolgung ausgesetzt ist. Auch Sufis, moderate Muslime, sind nach Geheimdienstinformationen im Visier von Islamisten. Sie gelten als Häretiker. Die Polizei hat erhöhte Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz von Sufi-Moscheen angeordnet.

Nach Ende des Bürgerkriegs zwischen Singhalesen und Tamilen vor zehn Jahren hat sich das an sich tolerante religiöse Klima verschlechtert. 70 Prozent der 22-Millionen-Bevölkerung Sri Lankas bekennen sich zum Buddhismus, in dem eine Strömung um radikale Mönche an Einfluss gewonnen hat. Buddha-Statuen wiederum wurden zum Ziel vandalistischer Akte von Zahran Hashims islamistischer Vereinigung, der National Thowheeth Janaath. Die religiösen Minderheiten im früheren Ceylon halten sich annähernd die Waage: Zwölf Prozent sind Hindus, zehn Prozent Muslime und sieben Prozent Christen. (vier)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.04.2019)

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