New Yorker gegen New Yorker

Bürgermeister Bill de Blasio tritt als linksliberaler Demokrat gegen Donald Trump an – als Nummer 23.

Bill de Blasio tritt an, um den New Yorker Donald Trump wieder nach Hause zu schicken.
Bill de Blasio tritt an, um den New Yorker Donald Trump wieder nach Hause zu schicken.
Bill de Blasio tritt an, um den New Yorker Donald Trump wieder nach Hause zu schicken. – (c) Getty Images (Drew Angerer)

Wien/New York. Altersgründe verwehren Alexandria Ocasio-Cortez, dem 29-jährigen Shootingstar des progressiven Flügels der Demokraten, eine Präsidentschaftskandidatur. Wäre indessen nicht das Limit von 35 Jahren, die New Yorkerin aus der Bronx, die erst seit vier Monaten im Kongress sitzt, würde wahrscheinlich auch an den Start gehen.

Denn es staut sich längst im Bewerberfeld, und jetzt hat auch Bill de Blasio in einem dreiminütigen Video und einem Auftritt in der ABC-Frühstücksshow „Good Morning America“ seine Kandidatur erklärt – als Nummer 23 der seriösen Anwärter aufseiten der Demokraten. Es dauerte nicht lang, dass Donald Trump den New Yorker Bürgermeister, seinen jüngsten Herausforderer, via Twitter begrüßte: „Er ist ein Witz. Aber wenn ihr hohe Steuern und Verbrechen wollt, ist er euer Mann.“ In Großbuchstaben fügte er, typisch Trump, an: „New York City hasst ihn.“

Tatsächlich lehnen Umfragen zufolge drei Viertel der New Yorker die nationalen Ambitionen ihres Bürgermeisters ab. De Blasio gilt in der Metropole als nicht sonderlich populär – im Gegensatz zu Vorgängern wie Ed Koch, Rudy Giuliani oder Michael Bloomberg. Der Milliardär Bloomberg entschied sich nach längerem Zögern gegen ein Antreten als Kandidat, weil er gegen Ex-Vizepräsident Joe Biden keine reelle Chance sah.

Bill de Blasio ließ sich davon nicht irritieren, und er schlug auch die Warnungen seiner Berater in den Wind. Der 58-Jährige möchte den New Yorker Trump aus dem Weißen Haus wieder zurück nach Hause schicken. Demonstrativ gab der Bürgermeister, quasi als Anti-Trump, vor dem Trump Tower in Manhattan jüngst eine turbulente Pressekonferenz, wo er mit der Umweltbilanz des Präsidenten vehement ins Gericht ging. Von New Yorker zu New Yorker richtete er ihm nun aus, er wisse mit einem Rüpel umzugehen. Ein New Yorker, so die Botschaft, geht keinem Fight aus dem Weg.

 

Starke linksliberale Konkurrenz

In einem Video unter dem Titel „Working People First“ richtete de Blasio eine Kampfansage an Trump. Er beklagte den Stillstand und den Rückschritt im persönlichen Leben, den viele Amerikaner empfinden würden. Und er monierte, dass die Reichen immer reicher würden. Er pries sich als progressiver Demokrat an, der ein kostenloses Kindergartenjahr, bezahlten Krankenstand und einen Mindestlohn von 15 Dollar in New York eingeführt habe. Die zum Teil exorbitanten Preise am Immobilienmarkt vermochte er jedoch nicht in den Griff zu kriegen.

In den vergangenen Monaten hat der Bürgermeister seine Aussichten bei Kundgebungen im ganzen Land ausgelotet. Am Wochenende begibt er sich in Iowa und South Carolina ins Getümmel, wo sich die übrigen Kandidaten längst auf die Füße steigen. Alle fordern momentan den Frontrunner Joe Biden heraus, der in den Umfragen davongezogen ist. An zweiter Stelle liegt derzeit, bereits ein wenig abgeschlagen, Bernie Sanders. Gegen Sanders und Elizabeth Warren, zwei etablierte Senatoren, konkurriert de Blasio um die linksliberale Klientel.

Während Beto O'Rourke oder Pete Buttigieg, die anfangs viel Furore machten, sich neu zu positionieren versuchen, ringen Neuzugänge wie Michael Bennet oder Steve Bullock um Aufmerksamkeit. Bennet, Senator aus Colorado, und Bullock, Gouverneur von Montana, sind Pragmatiker, die in der Mitte um ein Alleinstellungsmerkmal kämpfen. Bennet hat kürzlich erst eine Prostatakrebs-Operation überstanden. Sein Bruder James, Meinungschef der „New York Times“ und Aspirant für den Posten des Chefredakteurs, schreibt wegen Befangenheit einstweilen nicht über die Präsidentschaftskampagne.

Ersten Aufschluss über den Stand der Dinge im Gewimmel der Demokraten werden im Juni die ersten TV-Debatten geben. Qualifiziert ist, wer mindestens in drei Umfragen über einem Prozentpunkt liegt – ein minimaler Anspruch. Entscheidend wird auch sein, wem am schnellsten die Spenden ausgehen. Spätestens im Agrarstaat Iowa im Februar wird sich bei den ersten Vorwahlen die Spreu vom Weizen zu trennen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.05.2019)

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