"Personenkult" um Höcke: Ein Machtkampf der Flügel in der AfD

Björn Höcke, Afd-Chef in Thüringen, hat mit seiner Rede vor einem  rechtsaußen-Flügel die konservativere Mitte und die Parteiführung gegen sich aufgebracht. Ein Streit mitten im Wahlkampf.

Dem Thüringer AfD-Parteichef Björn Höcke wird vorgeworfen, einen Personenkult zu betreiben.
Dem Thüringer AfD-Parteichef Björn Höcke wird vorgeworfen, einen Personenkult zu betreiben.
Dem Thüringer AfD-Parteichef Björn Höcke wird vorgeworfen, einen Personenkult zu betreiben. – imago images / Karina Hessland

Im Richtungskampf der AfD gehen auch die beiden Bundesvorsitzenden Jörg Meuthen und Alexander Gauland auf Distanz zu dem Thüringer Rechtsaußen Björn Höcke. Der von Höcke "zuweilen betriebene Personenkult" passe nicht zur AfD, sagte Meuthen am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP in Berlin.

Zu dem Appell von hundert teils prominenten AfD-Politikern gegen Höcke sagte er: "Dieser Aufruf wundert mich nicht." Der Unmut "über das Auftreten und manche Äußerungen des thüringischen Landesvorsitzenden sind in der Partei sehr vernehmlich", sagte Meuthen weiter. Der Appell bestätige seinen Eindruck, dass Höcke mit seiner Kritik an der Arbeit des Bundesvorstands und der Schiedsgerichte "über keinerlei Mehrheiten in der Partei verfügt und der von ihm zuweilen betriebene Personenkult nicht zu unserer Partei passt".

Ko-Parteichef Alexander Gauland sagte AFP: "Ich halte die Rede von Björn Höcke genauso wie den Fahneneinzug auf dem Kyffhäuser-Treffen für unangebracht." Den Appell habe er nicht unterschrieben, "weil ich ihn in Wahlkampfzeiten für ähnlich unangebracht halte", fügte Gauland hinzu.

Höcke ging auf Konfrontation mit Parteispitze

Höcke hatte am Samstag auf dem jährlichen Kyffhäuser-Treffen seiner AfD-Rechtsaußengruppe "Flügel" die Bundesspitze scharf attackiert. Nach den Landtagswahlen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen werde er sich "mit großer Hingabe und mit großer Leidenschaft der Neuwahl des Bundesvorstands hingeben", kündigte er an.

Unter frenetischem Jubel seiner Anhänger fügte er hinzu: "Und ich kann euch garantieren, dass dieser Bundesvorstand in dieser Zusammensetzung nicht wiedergewählt wird". Zu Beginn des Treffens war Höcke flankiert von fahnenschwenkenden Anhängern in den Saal eingezogen.

In dem am Mittwoch bekannt gewordenen Appell von 100 Parteifunktionären heißt es: "Die AfD ist und wird keine Björn-Höcke-Partei." Die überwiegend bürgerliche Mitgliedschaft von mehr als 35.000 Menschen lehne "den exzessiv zur Schau gestellten Personenkult" um den Thüringer Landes- und Fraktionschef ab.

Höcke habe mit seiner Kyffhäuser-Rede "die innerparteiliche Solidarität verletzt", heißt es in dem Aufruf, der von mehreren Mitgliedern des AfD-Bundesvorstands und mehreren Landesvorsitzenden unterzeichnet wurde, darunter die Vize-Bundesvorsitzenden Georg Pazderski, Kay Gottschalk und Albrecht Glaser sowie Bundesschatzmeister Klaus Fohrmann.

(APA/AFP)

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