Die Metamorphose des Signor Conte

Italiens Premier Giuseppe Conte wurde stets als Marionette seiner mächtigen Vizes belächelt. Nun bietet er ihnen die Stirn – und versucht, den EU-Kurs zu bewahren: Die Wähler sind begeistert.

Am Freitag besuchte die designierte EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen den italienischen Regierungschef.
Am Freitag besuchte die designierte EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen den italienischen Regierungschef.
Am Freitag besuchte die designierte EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen den italienischen Regierungschef. – APA/AFP/VINCENZO PINTO

Wien/Rom. Viele Monate war er der belächelte „Signor Nessuno“ (Herr Niemand): Als Giuseppe Conte im Juni 2018 überraschend Premier der ungewöhnlichsten Regierung der EU – der Koalition aus rechtspopulistischer Lega und Fünf-Sterne-Bewegung – wurde, schüttelte man in den meisten EU-Hauptstädten den Kopf. Wie sollte dieser unbekannte Rechtsanwalt ohne politische Erfahrung die chronisch kriselnde, drittgrößte Euro-Volkswirtschaft lenken? Zumal nun radikale Kräfte das Sagen hatten, die auf EU-Sparziele pfiffen und es auf eine Totalkonfrontation mit EU-Institutionen abgesehen hatten.

Die Meinung war von Tag eins an einhellig: Der parteilose Conte sei eine Marionette der Fünf-Sterne-Bewegung, die auch die Lega nach ihren Bedürfnissen führen würde. Der eitle Jurist mit dem frisierten Lebenslauf sei der nützliche Idiot seiner mächtigen Vizepremiers, Fünf-Sterne-Chef Luigi Di Maio und Lega-Boss Matteo Salvini.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.08.2019)

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