"Er ist nicht willkommen": Trump besucht Anschlagsorte

Nach verheerenden Amokläufen in Texas und Ohio will der US-Präsident den Verkauf von Waffen einschränken - an ein Verbot von Sturmgewehren denkt er aber nicht. Die NGO Amnesty International warnt wegen der Waffengewalt vor Reisen in die USA.

Protestors rally around a baby Trump balloon near Miami Valley Hospital in Dayton
Protestors rally around a baby Trump balloon near Miami Valley Hospital in Dayton
Donald Trump reist nach Amokläufen nach Ohio und Texas - und wird mit Protesten empfangen. – REUTERS

„Niemand will hier mit Trump sprechen“, „Er ist hier nicht willkommen": Bei der Reise von Donald Trump nach Dayton im US-Staat Ohio und in die texanische Stadt El Paso, in denen zwei Schützen am Wochenende insgesamt 31 Menschen getötet hatten, ist der US-Präsident von Protesten begleitet worden.

Zuerst besuchte der Präsident in Dayton gemeinsam mit seiner Frau Melania ein Krankenhaus und traf dort Verletzte, Angehörige der Opfer, Rettungskräfte und Polizisten. Trump verzichtete allerdings darauf, das Stadtviertel zu besuchen, in dem sich die blutige Attacke abgespielt hatte. Aus dem Weißen Haus hieß es, die Opfer sollten im Vordergrund stehen. Die Bürgermeisterin von Dayton, die Demokratin Nan Whaley, befürwortete diese Entscheidung: In der Gemeinde gebe es viel Wut, dass es zu der Tat gekommen sei. Whaley sagte, die Opfer und Rettungskräfte hätten sich über Trumps Besuch gefreut. Sie sagte aber auch mit Blick auf den Präsidenten: "Seine Art zu reden, kann sehr spaltend sein. Und das ist das Letzte, was wir hier gebrauchen können."

In El Paso besuchten Trump und die First Lady ebenfalls ein Krankenhaus und sprachen dort - abermals hinter verschlossenen Türen - mit Opfern der Attacke. Sie trafen sich außerdem mit Polizisten, die bei dem Angriff im Einsatz waren. Dort wurden sie von Journalisten begleitet.

Trump: "Mental instabilen Menschen keine Waffen geben"

In beiden Städten gab es Proteste gegen den Besuch aus dem Weißen Haus. Demonstranten in El Paso warfen Trump auf Schildern unter anderem Rassismus vor. In Dayton ließen Demonstranten einen überdimensionalen Baby-Trump-Ballon aufsteigen.

Die Bürgermeisterin von Dayton, Whaley, sagte, sie habe Trump bei seinem Besuch dringend aufgerufen, eine Verschärfung der Waffengesetze anzustoßen. Waffen wie jene des Schützen von Dayton müssten verboten werden. Der Schütze hatte ein Sturmgewehr benutzt. Diese sind in vielen US-Staaten leicht zu erwerben, werden anderswo aber fast nur vom Militär genutzt. Whaley warnte, wenn nichts passiere, werde es wahrscheinlich schon sehr bald das nächste Blutbad geben.

Denn Trump zeigte sich zwar aufgeschlossen für Hintergrundprüfungen für Waffenbesitzer, ließ aber offen, ob er einen weitreichenden Entwurf der Demokraten oder nur Checks in geringerem Umfang unterstützt. Die Rufe nach einem Verbot von Schnellfeuerwaffen wies er allerdings als nicht mehrheitsfähig zurück. Kritik erntete er daher von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International: Sie rief USA-Reisende zu erhöhter Vorsicht auf. Pistolen und Gewehre seien in den USA "omnipräsent", niemand sei vor Waffengewalt sicher.

Trump weist Rassismus-Vorwürfe zurück

Kritiker werfen dem Präsidenten auch vor, mit seiner Rhetorik gegen Migranten den Rassismus im Land zu befeuern. Sie sehen daher eine Mitschuld Trumps an der rassistisch motivierten Attacke von El Paso. Der mutmaßliche Täter dort soll seinen Angriff "als Antwort auf die hispanische Invasion in Texas" bezeichnet haben. Trump hatte die Eindämmung illegaler Einwanderung über die Grenze zu Mexiko zu seiner Priorität gemacht und dabei selbst öfter von "Invasion" gesprochen.

Auch Ex-US-Vizepräsident Joe Biden, der bisher aussichtsreichste demokratische Bewerber der Demokraten für die Präsidentschaftskandidatur, warf Trump vor, er befeuere mit seiner Sprache den Rechtsextremismus von Weißen im Land. Trump freilich weist solche Vorwürfe zurück. "Ich denke, meine Rhetorik bringt Menschen zusammen", sagte Trump am Mittwoch vor seiner Abreise. Seine Kritiker wollten bloß politisch punkten.

Schussattacken in den USA

In El Paso an der Grenze zu Mexiko hatte ein Schütze am Samstag in einem Einkaufszentrum um sich gefeuert. Insgesamt kamen 22 Menschen ums Leben, darunter mehrere Mexikaner und auch ein Deutscher. Die Ermittler gehen von einem rassistischen Hintergrund aus. Der mutmaßliche Täter, ein 21-jähriger Weißer, ergab sich der Polizei und ist in Gewahrsam. In der Nacht auf Sonntag hatte in Dayton ein weiterer Schütze neun Menschen getötet. Das Motiv des 24 Jahre alten Täters ist bisher unklar. Der Mann wurde von der Polizei erschossen.

(APA/Reuters/AFP)

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