Türkische Justiz geht auf Distanz zu Erdoğan

Die jüngsten Urteile des Verfassungsgerichtshofs gefallen der Regierung nicht. Die Richter rebellieren zwar nicht, sie emanzipieren sich von der herrschenden AKP.

Der türkische Präsident, Recep Tayyip Erdoğan, gemeinsam mit dem Präsidenten des Verfassungsgerichtshofes, Zühtü Arslan (rechts).
Der türkische Präsident, Recep Tayyip Erdoğan, gemeinsam mit dem Präsidenten des Verfassungsgerichtshofes, Zühtü Arslan (rechts).
Der türkische Präsident, Recep Tayyip Erdoğan, gemeinsam mit dem Präsidenten des Verfassungsgerichtshofes, Zühtü Arslan (rechts). – (c) imago images / newspix (AA/ABACA)

Wien/Ankara. „Die Skandale von Zühtü Arslan nehmen kein Ende!“ – eine Schlagzeile wie eine laute Mahnung mit erhobenem Zeigefinger. Mit diesen Worten zählte jüngst die regierungstreue türkische Tageszeitung „Sabah“ die „Vergehen“ des Präsidenten des Verfassungsgerichtshofs auf. Nicht nur hat Arslan mit Murat ?en einen Richter in das Generalsekretariat des Verfassungsgerichts geholt, der sich in einem Gutachten für die Freilassung Can Dündars ausgesprochen hatte (den regierungskritischen Journalisten Dündar nennt „Sabah“ einen „Vaterlandsverräter“). Der oberste Richter hat auch die international viel kritisierte Verurteilung jener Akademiker aufgehoben, die sich mit einer Petition für Frieden in den Kurdengebieten ausgesprochen hatten. Es war eine äußerst knappe Entscheidung, von 17 Richtern waren acht dafür, acht dagegen. Arslans Stimme entschied. Das war eine Überraschung.

Sie sind bereits Abonnent?

Klicken Sie hier, um sich einzuloggen

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.08.2019)

Meistgekauft
    Meistgelesen