Das Geschäft mit den Blutdiamanten

Naomi Campbell sagt im Kriegsverbrecherprozess gegen Liberias Ex-Präsidenten Charles Taylor aus. Der Handel mit Steinen aus Kriegsgebieten ging zurück. Doch es gibt noch einige „Problemländer“.

Geschaeft Blutdiamanten
Geschaeft Blutdiamanten
(c) EPA (VINCENT JANNINK/POOL)

An Naomi Campbell wird es wohl nicht liegen, ob Liberias Ex-Präsident Charles Taylor verurteilt wird oder nicht. Verurteilt als Verantwortlicher für Mord, Vergewaltigung, Verstümmelung, sexuelle Sklaverei und Rekrutierung von Kindersoldaten, also schwere Kriegsverbrechen, verübt während des Bürgerkriegs im Nachbarland Sierra Leone. Der Auftritt des Topmodells vor dem Sondertribunal in Den Haag am Donnerstag war nur eine Episode in einer langen Reihe von Zeugenaussagen, die sich in drei Jahren Prozess angehäuft haben.

Doch der Glamoureffekt warf ein Schlaglicht auf ein Problem, das zwar aus den Schlagzeilen, aber nicht aus der Welt ist: Blutdiamanten. Denn das Säckchen „schmutzig aussehender Steine“, das Campbell laut ihrer Aussage 1997 bekommen hat, enthielt, so vermutet die Anklage, Diamanten aus den Bürgerkriegsgebieten in Sierra Leone. Diamanten, die diesen Bürgerkrieg erst so richtig anfachten, dem zehntausende Menschen (die genaue Zahl ist umstritten) zum Opfer fielen. Taylor soll die Rebellen des Nachbarlandes mit Waffen versorgt haben, im Tausch für die Edelsteine.

 

Erfolglose UN-Sanktionen

Sierra Leone ist ein Schulbeispiel für das schmutzige Geschäft mit Diamanten aus Bürgerkriegsländern – ein Übel, das auch Liberia, Angola, Demokratische Republik Kongo heimsuchte. Immer wieder gab es Versuche, diesen Handel zu unterbinden: 1998 verhängte die UNO ein Verbot, Diamanten aus Angola zu importieren, die nicht das Zertifikat der Regierung trugen. Dies sollte die Unita-Rebellen treffen. Der Erfolg war bescheiden.

2003 schließlich starteten Diamanten produzierende Länder den Kimberly-Prozess (benannt nach einer Stadt in Südafrika), der den Handel mit Blutdiamanten durch ein System von Import/Export-Kontrollen und Herkunfts-Zertifikaten unterbinden soll. Mitglieder müssen gewisse Kriterien und Mindeststandards erfüllen.

 

Diamantenrausch in Simbabwe

Es ist zwar nur eine freiwillige Vereinbarung, doch sie hat Verbesserungen gebracht. Das erkennt auch die NGO „Global Witness“ an, deren Aktivitäten sich gegen illegalen Rohstoffhandel richten: „Seit der Kimberly-Prozess begann, herrscht eine größere Transparenz“, sagt Elly Harrowell von „Global Witness“ zur „Presse“.

Diamanten von höchst problematischer Herkunft gibt es aber weiterhin. Das Beispiel Simbabwe zeigt die Grenzen des Kimberly-Prozesses und der Definition von „Blutdiamanten“ auf. In dem südafrikanischen Land herrscht zwar kein Bürgerkrieg, aber ein autokratisches Regime. Als in den Marange-Minen im Osten vor drei Jahren beträchtliche Vorkommen entdeckt wurden, löste das „einen regelrechten Diamanten-Rausch aus“, sagt Harrowell. Privatleuten, die auf eigene Rechnung schürften, bekam dies schlecht, wie die NGO-Expertin erzählt: „Die Armee ging brutal gegen sie vor und ermordete mehr als 200 Menschen.“

 

Problemfall Côte d'Ivoire

Die Kontrolle über die Minen liegt beim Militär, dessen Loyalität sich Mugabe dadurch erkauft. Laut „Global Witness“ werden Zivilisten unter Misshandlung und Vergewaltigung dazu gezwungen, in den Minen zu arbeiten. Ein Handelsverbot seitens der Kimberly-Staaten vom November 2009 konnte Simbabwe unterlaufen. Mittlerweile darf das Land wieder eine begrenzte Menge ausführen, weitere Exporte sind aber an eine Verbesserung der Zustände und einen Rückzug des Militärs gebunden.

Ebenfalls ineffektiv erwiesen sich die UN-Sanktionen gegen Côte d'Ivoire, sagt Harrowell, die sich dabei auf UN-Berichte stützt: „Es gibt viel illegalen Handel mit Diamanten aus dem Land, die Grenzen sind extrem durchlässig.“ Und so gelinge es den ehemaligen Rebellen, die die meisten Minen kontrollieren, die Ware sogar über Kimberly-Staaten wie Liberia und Guinea auf den internationalen Markt zu bringen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.08.2010)

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