Iran: Mysteriöse Anschläge auf Atomphysiker

Ein Atomwissenschaftler starb, ein anderer wurde schwer verletzt. Offiziell hat sich bisher niemand zu den Terrorattacken bekannt. Doch Teheran macht die Geheimdienste von Israel und den USA verantwortlich.

(c) EPA (STR)

Teheran/Wien/Ag. Zwei mysteriöse Anschläge im Iran sorgten gestern international für Unruhe: Ein Atomwissenschaftler wurde getötet, ein anderer schwer verletzt. Auch die Ehefrauen der beiden trugen jeweils schwere Verletzungen davon. Nach Berichten des staatlichen iranischen Fernsehens haben zwei Attentäter die Sprengsätze an den Fahrzeugen der Forscher befestigt.

Bei dem Todesopfer handelt es sich um Madschid Schahriari, Dozent in der Abteilung für Atomenergie an der Universität Schahid Beheshti in Teheran – und Mitglied der iranischen Atomgesellschaft. Der zweite Anschlag galt Fereidiun Abbassi, der nach Angaben einer regierungsnahen Website auch Experte für Lasertechnologie im iranischen Verteidigungsministerium ist.

Bereits im Jänner war der Atomexperte Massould Ali-Mohammadi ermordet worden. Regimekritische Websites hatten damals vermeldet, er habe im Präsidentenwahlkampf 2009 den moderaten Kandidaten Moussavi – und Erzrivalen des konservativen Staatschefs Ahmadinejad – unterstützt. Mohammadi hatte mit Abbassi zusammengearbeitet.

 

„Unsere Geduld hat Grenzen!“

Offiziell hat sich bisher niemand zu den Terrorattacken bekannt. Doch Teheran macht die Geheimdienste von Israel und den USA für die Anschläge verantwortlich. So behauptete der Kopf der paramilitärischen Miliz „Basij“, Mohammad-Reza Naqdi: Israelis und Amerikaner wollten durch die Ermordung von Wissenschaftlern den Iran am Fortschritt der Wissenschaft hindern. Auch der Chef der iranischen Atombehörde und Exlehrer von Schahriari, Akbar Salehi, warnte Israel und die USA, „nicht mit dem Feuer zu spielen“. Die Geduld der Iraner hätte seine Grenzen.

Westliche Länder werfen Teheran vor, unter dem Vorwand der Kernkraftwerksnutzung für zivile Zwecke eigentlich nach Atomwaffen zu streben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.11.2010)

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