Montenegros starker Mann gibt Premieramt ab

Milo Djukanović tritt als Regierungschef Montenegros zurück. Er bleibt jedoch Chef der Regierungspartei Demokratische Partei der Sozialisten (DPS). Nachfolger wird der bisheriger Finanzminister Igor Lukšić.

(c) REUTERS (STEVO VASILJEVIC)

Belgrad/Podgorica. „Ich verlasse mein Amt erhobenen Hauptes und reinen Gewissens.“ Mit diesen Worten besiegelte Milo Djukanović am Dienstag seinen Rücktritt als Premier Montenegros. Nachfolger wird der bisheriger Finanzminister Igor Lukšić.

Djukanović will aber Chef der Regierungspartei Demokratische Partei der Sozialisten (DPS) bleiben. Ob als junger Kommunistenführer, Premier, Präsident oder Geschäftsmann: Über zwei Jahrzehnte hatte der erst 48-jährige Polit-Veteran die Zügel in dem 650.000 Einwohner zählenden Adria-Staat fest im Griff. Sein Rücktritt erfolgte nur kurz nach der Zuerkennung des EU-Kandidatenstatus an Montenegro. In Brüssel dürfte man die Nachricht vom Machtwechsel in Podgorica eher erleichtert aufnehmen. Für Montenegros EU-Ambitionen war der geschäftstüchtige Strippenzieher Djukanović wegen der Gerüchte, er habe Kontakte ins Mafiamilieu, zunehmend zu einer Belastung geworden.

 

Gegenspieler von Milošević

Bereits in jungen Jahren durchlief Djukanović im Kommunistischen Bund Jugoslawiens eine Blitzkarriere, übernahm 1991 zum ersten Mal die Regierungsgeschäfte, 29-jährig. Seine Heimat lotste er weitgehend unbeschadet durch das Kriegsjahrzehnt der 90er-Jahre. Rechtzeitig ging er auf Distanz zu Serbiens bis dahin von ihm loyal unterstützten Autokraten Slobodan Milošević. Den 2003 geschaffenen Staatenbund Serbien-Montenegro sah er nur als Zwischenstopp auf dem Weg in die 2006 erklärte Unabhängigkeit.

Den Adria-Staat führt Djukanović wie einen Familienbetrieb. An der von seinem Bruder kontrollierten Prva Banka war er als Premier gar selbst beteiligt: Weil der Nationalbankchef der Clan-Bank nicht wie gewünscht mit Staatsgeldern unter die Arme greifen wollte, musste er kürzlich auf Druck der Regierung kurzerhand seinen Hut nehmen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.12.2010)

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