Elfenbeinküste: Abgewählter Präsident engagiert Anwalt

Laurent Gbagbo hat den Juristen Jacques Verges engagiert, der sich mit der Verteidigung von Nazi-Verbrechern und Diktatoren einen Namen gemacht hat. Mehrere westafrikanische Staatschefs drängen ihn zum Rücktritt.

Elfenbeinkueste Abgewaehlter Praesident engagiert
Elfenbeinkueste Abgewaehlter Praesident engagiert
(c) REUTERS (THIERRY GOUEGNON)

Der sich an sein Amt klammernde abgewählte Präsident des westafrikanischen Staates Cote d'Ivoire (Elfenbeinküste), Laurent Gbagbo, will sich von international bekannten Juristen unterstützen lassen. Aus Frankreich habe er den sozialistischen Ex-Außenminister Roland Dumas (88) und den Anwalt Jacques Verges engagiert, berichtete die Zeitung "Le Parisien" am Dienstag.

Der ebenfalls über 80 Jahre alte Verges hat sich mit der Verteidigung von Nazi-Verbrechern, Holocaust-Leugnern und Diktatoren einen Namen gemacht. Gbagbo habe außerdem einen US-Anwalt und mehrere afrikanische Experten verpflichtet, hieß es. Gbagbo steht international unter starkem Druck, weil er sich weigert, das Ergebnis der Präsidentenwahl vor vier Wochen anzuerkennen. Er will sein Amt nicht an den anerkannten Wahlsieger Alassane Ouattara abgeben.

Ecowas drängt zum Rücktritt

Eine ranghohe Delegation der westafrikanischen Staatengemeinschaft Ecowas hat sich am Dienstag auf den Weg nach Cote d'Ivoire (Elfenbeinküste) gemacht, um Gbagbo zum Rücktritt zu drängen. "Wir sind sicher, dass wir positive Ergebnisse erzielen", sagte der Informationsminister von Sierra Leone, Ibrahim Ben Kargbo.

Die westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (Ecowas) hat mit ihrer Friedenstruppe Ecomog bereits mehrere Militärinterventionen in verschiedenen Konfliktherden der Region koordiniert. Sie hat Gbagbo mit der Anwendung "legitimer Gewalt" gedroht, falls er nicht abtritt. Die Mitgliedschaften Cote d'Ivoires in der Ecowas sowie in der Afrikanischen Union (AU) wurden wegen des Machtkampfes ausgesetzt.

Die AU benannte unterdessen den kenianischen Ministerpräsidenten Raila Odinga als Vermittler. Odinga, der sich kürzlich für den Rückzug Gbagbos ausgesprochen hatte, äußerte sich am Montag in der BBC zu seiner Aufgabe. Er sehe seine Rolle darin, Gbagbo von der Niederlage zu überzeugen, damit es eine friedliche Übergabe der Macht an Ouattara geben könne. Er werde jedoch den Ausgang der Gespräche der Ecowas-Delegation abwarten.

Diplomaten anerkannt

In Paris hatten am Montag Anhänger Ouattaras die Botschaft des westafrikanischen Landes gestürmt. Sie rissen die Porträts von Gbagbo von der Wand. Der bisherige, Gbagbo nahestehende Botschafter flüchtete in seinem Auto. Das französische Außenministerium erkannte den von Outtara ernannten diplomatischen Vertreter an.

Auch die belgische Regierung erkannte eine neue Geschäftsträgerin im Land an, die das Vertrauen von Wahlsieger Alassane Ouattara habe, berichteten belgische Medien am Dienstag.

(APA)

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