Tarnkappen-Jet:"Das ist was, um einen Krieg anzufangen"

Im Internet sind die lang erwarteten ersten Bilder vom Prototyp des ersten chinesischen „Tarnkappen-Kampfjets“ „J-XX“ aufgetaucht. Experten erwarten in Kürze den Erstflug.

TarnkappenJetDas einen Krieg anzufangen
TarnkappenJetDas einen Krieg anzufangen

Chengdu/Wien. Kurz nach Weihnachten ließ China die (fliegende) Katze aus dem Sack: Auf dem Gelände der Flugzeugfirma „Chengdu Aircraft Industry“ nahe der Stadt Chengdu in der zentralen Provinz Sichuan wurde erstmals der Prototyp jenes „Tarnkappen“-Kampfjets gesichtet, an dem China seit mindestens acht Jahren baute und der bisher in der Fachwelt unter dem Namen „J-XX“ firmierte. Derzeit besitzen nur die USA derartige im Radar „unsichtbare“ Flugzeuge.

Experten erwarten in Kürze den Erstflug. Fotos, die ins Internet durchgesickert sind, stammen von „Plane-Spotters“ (Flugzeugfans) und wurden über eine große Distanz, teils durch Baumgruppen, mit Digital- und Handykameras gemacht. Viele sind von schlechter Qualität. Interessanterweise werden die „Spotter“ nicht von der Polizei behelligt, Nachbarn des Werks verkaufen ihnen sogar Tee und Bänke. Daher glaubt der österreichische Militärexperte Georg Mader, dass Chinas Militär gar keine besondere Geheimhaltung wolle: „Die wollen zeigen, wozu China fähig ist.“

Die zweistrahlige Maschine dürfte den Namen „J-20“ erhalten. Sie hat Ähnlichkeit mit dem russischen Jäger „MiG1.44“, der nie in Serie ging, sowie mit den „Raptor“- und „Joint-Strike-Fighter“-„Stealth“-Jagdbombern der USA. Details sind kaum bekannt. Experten sagen, dass der Jet, der Waffen wie seine Vorbilder innen trägt, extrem groß sei, was auf besonders große Tanks und Waffenschächte deute. Er dürfte weniger ein Abfangjäger denn ein Bomber sein. „Das ist was, um einen Krieg anzufangen“, meint Mader, „etwa, um unbemerkt über Taiwan zu kreisen und US-Flugzeugträger (mit Anti-Schiff-Raketen, Anm.) auf Distanz zu halten.“

J-20: Chinas Tarnkappenbomber

US-Dominanz im Pazifik wankt

Der Jet könnte ab 2017 in Dienst gestellt werden, was auch das US-Militär andeutet. Dort ist man über Chinas wachsende Fähigkeiten für Ferneinsätze besorgt, die Dominanz der US-Flotte im Pazifik wankt. Admiral Robert Willard, Chef des US Pacific Command, wies am Dienstag auch auf neue landgestützte ballistische Raketen Chinas vom TypDF21 hin, die, bei 3000Kilometern Reichweite, die Raketenabwehr der modernsten US-Kriegsschiffe knacken könnten.

Kurz vor Weihnachten haben Russland und Indien einen Vertrag zum Bau von „T-50“-„Stealth-Jets“ geschlossen. In Europa zeichnet sich kein „Tarnkappen-Jet“ ab: „Unsere Konzerne haben dazu nicht die industrielle Power, und es würde zu teuer“, so Mader. Auch glaube man, dass die komplexe „Stealth“-Technik binnen zehn, 15Jahren von neuen Radars geknackt werde.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.12.2010)

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