Chronologie des Sudan-Konflikts

Von der ägyptisch-britischen Eroberung bis zur Sezession des Süden. Die jüngere Geschichte des Landes ist geprägt vom Bürgerkrieg.

Chronologie des Sudan-Konflikts
Chronologie des Sudan-Konflikts
Chronologie des Sudan-Konflikts – Symbolbild: Sudanesische Befreiungsarmee im Jahr 2003 (c) AP (John Moore)

Im Sudan geht der Konflikt zwischen dem arabisch-muslimisch geprägten Norden und dem christlichen und animistischen Süden, der nun zur Teilung des Landes führt, auf die Kolonialzeit zurück. Seit der Unabhängigkeit des Landes tobte in dem vormaligen anglo-ägyptischen beherrschten Gebiet fast ununterbrochen Bürgerkrieg. Ein kurzer Rückblick:

Zwischen 1820 und 1875
erobert Ägypten (das nominell unter osmanischer Oberhoheit steht) den ganzen Sudan. Der Feldzug 1874/75 und der fehlgeschlagene Äthiopien-Krieg verursachen in Kairo einen Staatsbankrott. Britische Truppen besetzen daraufhin Ägypten.

1881 bis 85: Die islamisch-fundamentalistische Mahdi-Aufstandsbewegung erobert Khartum. Der als "Mahdi" (vom Propheten verheißener göttlicher Erlöser) verehrte Mohammed Ahmed wird zum unbestrittenen Herrscher. In seine Gefangenschaft gerät auch der Österreicher Rudolf Slatin (später Sir Rudolf Freiherr von Slatin Pascha), der nachmalige anglo-ägyptische Generalinspektor im Sudan. Nach dem Tod des Mahdi kehren die ägyptischen Truppen mit britischer Unterstützung zurück. 1898 werden die Mahdisten bei Omdurman von Feldmarschall Lord Kitchener besiegt.

1899: Der Sudan wird anglo-ägyptisches "Kondominium" - de facto aber wie eine britische Kolonie verwaltet. Die Briten verschärfen den Gegensatz zwischen dem stärker entwickelten Norden und dem Süden. Die Bevölkerung im Süden gerät unter den Einfluss christlicher Missionare. Die Schlüsselpositionen werden aber auch im Süden mit muslimischen Beamten aus dem Norden besetzt.

1924: Niederschlagung von Aufständen der Unabhängigkeitsbewegung. Die Briten schließen daraufhin die Ägypter aus der Kolonialverwaltung aus.

1941: Spaltung der Unabhängigkeitsbewegung in die religiöse Umma-Partei, in der die Mahdisten und der Feudaladel den Ton angaben, und die pro-ägyptische, bürgerlich-fortschrittliche Nationale Unions-Partei (NUP).

1953: Nach dem Sturz von König Faruk schließen die neuen ägyptischen Militärmachthaber mit London ein Abkommen, das dem Sudan die Selbstbestimmung innerhalb von drei Jahren gewährt.

1956: Der Sudan wird nach einem Referendum, in dem die Mehrheit gegen einen Anschluss an Ägypten gestimmt hat, unabhängig.

1958: Die Armee unter Führung von General Ibrahim Abboud übernimmt die Macht und forciert die Islamisierung des Südens.

1962: Beginn des Untergrundkampfes der Anya-Nya-Bewegung im Süden. Nach Massakern der Regierungstruppen fliehen über 100.000 Menschen nach Uganda.

1964/65: Sturz der Militärdiktatur, Wahlen und Bildung einer Koalition aus Umma und NUP. Die Regierungsparteien zerfallen bald in mehrere Gruppen. Das parlamentarische System erweist sich als handlungsunfähig.

1969: Putsch von General Gaafar al-Numeiri, der mit ägyptischer Hilfe ein streng zentralisiertes Herrschaftssystem, basierend auf einer Einheitspartei, errichtet.

1972: Das Abkommen von Addis Abeba soll den Nord-Süd-Konflikt beenden und dem Süden Autonomie einräumen. Es wird nicht eingehalten.

1983: Einführung der islamischen Rechtsprechung auch für Nichtmuslime. Im Süden organisiert die "Sudanesische Volksbefreiungsarmee" (SPLA) unter Führung von John Garang den Widerstand.

1985: Sturz Numeiris. Wahlsieg der Umma-Partei unter Sadek al-Mahdi, dem Urenkel des Mahdi, der mit der SPLA ein Friedensabkommen aushandelt, welches jedoch vom Parlament abgelehnt wird.

1989: Putsch von General Omar Hassan al-Bashir, der eine Offensive im Süden startet. 1,5 Millionen sind auf der Flucht.

1993: Die USA setzen den Sudan auf die Liste terroristischer Staaten.

1996: Die USA schließen ihre diplomatische Vertretung in Khartum.

1998: Die USA bombardieren eine pharmazeutische Fabrik bei Khartum, in der sie die Herstellung chemischer Waffen vermuten. General Bashir entmachtet den Islamistenführer und Chefideologen des Regimes, Hassan al-Tourabi (Turabi) (Er wird 2005 freigelassen, später unter Hausarrest gestellt).

2000: Wiederaufnahme diplomatischer Kontakte USA-Sudan.

2002: Unter US-Vermittlung wird ein Waffenstillstand zwischen Khartum und der SPLA ausgehandelt.

2003: Beginn des Darfur-Konflikts.

2005: Vertreter der Regierung und der SPLA unterzeichnen in Nairobi (Kenia) ein Friedensabkommen. Die Übereinkunft sieht die Ausarbeitung einer neuen Verfassung und umfangreiche Autonomierechte für den Süden vor - mit der Option auf ein Selbstbestimmungs-Referendum. Die EU nimmt ihre suspendierte Zusammenarbeit mit Khartum wieder auf. Garang wird Vizepräsident und kommt kurz darauf bei einem Hubschrauberunglück ums Leben.

2009: Haftbefehl des Haager Internationalen Strafgerichtshofes gegen Bashir wegen Kriegsverbrechen und Völkermordes in Darfur.

2011: Selbstbestimmungs-Referendum im Süd-Sudan: Loslösung und Gründung eines neuen Staates.

(APA)

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