Italien setzt Atom-Wiedereinstieg um ein Jahr aus

Die italienische Regierung zieht Konsequenzen aus der Japan-Katastrophe. Sie stoppt die Standortsuche für den Bau neuer Atomkraftwerke für zwölf Monate.

Italien setzt AtomWiedereinstieg Jahr
Italien setzt AtomWiedereinstieg Jahr
Italien setzt Atom-Wiedereinstieg um ein Jahr aus – (c) REUTERS (GIAMPIERO SPOSITO)

Italien friert nach dem Unglück im japanischen Atomkraftwerk Fukushima seine Pläne zum Wiedereinstieg in die Kernenergie für ein Jahr ein. Das beschloss der Ministerrat am Mittwoch.

Die Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi will die Standortsuche für den Bau neuer Atomkraftwerke für zwölf Monate stoppen. Das Kabinett wolle sich 24 Monate Zeit nehmen, um ihre Atomstrategie zu definieren, hieß es nach der Ministerratssitzung.

"Mit dem Moratorium will sich die Regierung mit den anderen EU-Ländern Zeit nehmen, um sich auf die Sicherheitsstandards der Atommeiler zu konzentrieren", betonte der italienische Vize-Industrieminister Stefano Saglia.

Opposition spricht von "Schwindel"

Die italienische Opposition äußerte sich in ersten Reaktionen kritisch. "Das Moratorium ist ein Schwindel. Die Regierung sollte nicht ihre Atompläne einfrieren, sondern das Gesetz abschaffen, mit dem Italiens Rückkehr zur Atomproduktion besiegelt worden ist", sagte der Fraktionschef der Oppositionspartei "Italien der Werte" in der Abgeordnetenkammer, Massimo Donadi.

Die Italiener hatten sich bereits 1987 - ein Jahr nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl - in einem Referendum für den Ausstieg aus der Atomenergie ausgesprochen. Berlusconi hatte sich jedoch lange für eine Aufhebung dieser Entscheidung stark gemacht und dabei vor allem auf die extrem hohen Strompreise in Italien verwiesen.

Im kommenden Juni sind die Italiener dazu aufgerufen, per Referendum für oder gegen ein Gesetz der Regierung Berlusconi über die Rückkehr zur Atomenergie abzustimmen. Damit es gültig ist, müssen mindestens 50 Prozent der Wahlberechtigten an dem Referendum teilnehmen.

Die Regierung Berlusconi hat das Moratorium beschlossen, nachdem aus Meinungsumfragen ein klarer Widerstand der Italiener gegen die Wiederaufnahme der Atomproduktion hervorgegangen war. Laut einer vom Meinungsforschungsinstitut "Gnresearch" durchgeführten Umfrage, die am Dienstag von der Zeitung "La Repubblica" veröffentlicht wurde, sind 59 Prozent der Befragten "absolut" gegen den Bau von Atommeilern in Italien, den die Regierung Berlusconi plant. 17 Prozent erklärten sich "ziemlich" dagegen. Damit distanzierten sich de facto drei Viertel der Befragten von den Atomplänen der Regierung Berlusconi.

(APA)

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