Libyen: Regime sucht mit Ankaras Hilfe nach Ausweg

Die Regierung der Türkei verhandelt im Gegensatz zu den westlichen Mächten mit Gaddafi und den Rebellen über einen Waffenstillstand. Auch bei internationalen Hilfsmaßnahmen nimmt die Türkei eine Vorreiterrolle ein.

(c) REUTERS (STR)

Tripolis/Ankara/Wien/Ag. Als einziges muslimisches Nato-Mitglied betont die Türkei mehr und mehr ihre Sonderrolle im Libyen-Konflikt: Die Regierung in Ankara hält im Gegensatz zu den westlichen Mächten – die nur den Rebellenrat als Gesprächspartner betrachten – auch die Kontakte zum Regime von Muammar al-Gaddafi aufrecht, um über einen Waffenstillstand zu verhandeln.

So reiste der libysche Vize-Außenminister Abdelati Laabidi am Montag von Athen nach Ankara und führte Gespräche mit Außenminister Ahmet Davutoğlu; libysche Oppositionsgesandte werden in den kommenden Tagen in der türkischen Hauptstadt erwartet. Auch Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen war am Montag zu Gesprächen in Ankara eingetroffen. Nato und Türkei lehnen eine Bewaffnung der libyschen Rebellen durch den Westen ab.

Doch nicht nur auf politischer Ebene, auch bei den internationalen Hilfsmaßnahmen nimmt die Türkei eine Vorreiterrolle ein.

„Gaddafi muss abtreten“

Die Fähre „Ankara“ etwa brachte am Wochenende dreihundert Verletzte aus den Städten Misrata und Bengasi in Sicherheit; sie sollen in türkischen Krankenhäusern behandelt werden.

Unterdessen verdichteten sich Hinweise, wonach das Gaddafi-Regime händeringend nach Auswegen aus dem Konflikt sucht. Die „New York Times“ berichtete am Montag, dass Gaddafi-Sohn Saif al-Islam einen Vorschlag für eine Lösung des Konflikts mit den Rebellen unterbreitet habe, der auch den Rückzug seines Vaters vorsieht.

Der nationale Übergangsrat in Bengasi will einen solchen Vorschlag aber nicht akzeptieren: „Gaddafi und seine Söhne müssen vor jeglicher diplomatischer Lösung abtreten“, forderte der Sprecher des Rates, Chamseddin Abdulmelah. Auch die EU schloss am Montag aus, dass am Übergang zu einer Demokratie einer der Gaddafi-Söhne beteiligt sein könnte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.04.2011)

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