Sinai: Anschlag auf Gasleitung nach Israel

Am Mittwoch wurde eine nach Israel und Jordanien führende Gasleitung angegriffen.Als Täter kommen Beduinen aus der Umgebung infrage, die sich von der Regierung vernachlässigt fühlen, oder auch islamische Extremisten.

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(c) EPA (STRINGER)

Jerusalem/Kna. Bereits zum zweiten Mal seit Beginn der Revolution in Ägypten wurde am Mittwoch auf dem Sinai eine nach Israel und Jordanien führende Gasleitung angegriffen. Kaum 50 Kilometer vor der israelischen Grenze brachte eine Gruppe maskierter und bewaffneter Männer den am al-Sabil-Terminal deponierten Sprengstoff zur Explosion. Als Täter kommen Beduinen aus der Umgebung infrage, die sich von der Regierung vernachlässigt fühlen, oder auch islamische Extremisten.

Israel und Ägypten unterzeichneten im Jahr 2005 ein umstrittenes Handelsabkommen, das auf 15 Jahre angelegt ist. Seit 2008 fließen jährlich 1,7 Milliarden Kubikmeter Gas zum Nachbarn Israel, der weniger als den üblichen Marktpreis dafür bezahlt. Seit vergangenem Wochenende muss sich Ex-Energieminister Sameh Fahmy in Kairo den Vorwürfen stellen, öffentliche Gelder verschwendet zu haben. Durch das Handelsabkommen mit Israel habe Ägypten bereits mehr als 714 Mio. US-Dollar verloren, heißt es in einer Stellungnahme der Staatsanwaltschaft.

Israel deckt rund 40 Prozent seines Bedarfs mit ägyptischem Gas, dessen Lieferungen zunehmend unzuverlässiger werden. Erst Ende März war ein von Beduinen geplanter Sprengstoffanschlag auf dasselbe Gasterminal vereitelt worden. Anfang Februar hatte eine Bombenexplosion an anderer Stelle der Gasleitung die Lieferungen für gut einen Monat lahmgelegt.

 

Umstrittenes Friedensabkommen

„Wir sollten darauf vorbereitet sein, dass die Gaslieferungen aus Ägypten eingestellt werden“, warnte Israels rechtsnationaler Infrastrukturminister Uzi Landau. Jüngste Umfragen zeigen, dass die Stimmung in Kairo nach dem Umsturz für Israel nicht günstig ist: Deutlich über die Hälfte der Ägypter würde demnach das Friedensabkommen aufkündigen wollen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.04.2011)

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