Wie die Kaiser-Enkelin zur Botschafterin Georgiens wurde

Gabriela von Habsburg, die Georgien in Deutschland vertritt, will helfen, das Land in die EU und die Nato zu führen. Als Botschafterin verbringt Habsburg nun die Arbeitswoche in Berlin und die Wochenenden in Bayern.

(c) EPA (URSULA DUEREN)

Berlin/E.m. „Es ist wichtig, das Augenmerk überhaupt auf Georgien zu lenken, es hier bekannter zu machen, speziell jetzt, wo überall auf der Welt extrem spannende Entwicklungen stattfinden.“ Gabriela von Habsburg (54), seit eineinhalb Jahren Botschafterin Georgiens in Deutschland, sieht „ihr“ Land vor zwei wichtigen Herausforderungen: „Erstens die klare Positionierung, wo Georgien in Europa steht, also eine Annäherung und Mitgliedschaft in der EU, zweitens die Mitgliedschaft in der Nato. Wir wissen, dass das eine Weile dauert, aber wird sind gewillt, die Schritte alle zu gehen.“

Habsburg ist auf untypischem Weg zu ihrem Posten als Diplomatin gekommen: „Mein anderer Beruf, nämlich die Kunst, hat mich dorthin gebracht.“ Die Tochter Otto von Habsburgs, Kaiser-Enkelin, ist in Bayern aufgewachsen und Bildhauerin. Sie macht monumentale Skulpturen aus Edelstahl. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs hatte sie Ausstellungen im Osten, seit Ende der 90er-Jahre eine Professur an der staatlichen Kunstakademie in Tiflis. „Georgien hat mich unendlich begeistert, es ist ein ureuropäisches, urchristliches Land.“

Nach der Rosenrevolution 2003 machte Habsburg mit ihren Studenten ein Rosendenkmal – „zur Einweihung kam der Präsident und hat mir einen Pass verliehen. Das war für mich eine große Ehre und Überraschung.“ Die Staatsbürgerschaft erleichterte die Sache, als Präsident Saakaschwili Habsburg Ende 2009 fragte, ob sie Georgien in Deutschland vertreten würde.

„Ich habe mir das sehr gut überlegt. Es ist ja eine große Verantwortung und eine gewisse Veränderung in meinem Leben.“ Als Botschafterin verbringt Habsburg nun die Arbeitswoche in Berlin, die Wochenenden in Bayern, wo Vater, Sohn und Atelier auf sie warten; von den beiden ebenfalls erwachsenen Töchtern studiert eine in England, die andere arbeitet als Ärztin in Südafrika. „Bildhauerin bin ich immer noch – die meisten Leute haben doch irgendwie zwei Berufe.“

Immer schon hat sich Gabriela von Habsburg für Politik interessiert, zu Hause wurde viel darüber gesprochen. Der Name habe immerhin „den Vorteil, dass man ihn sich merken kann“. Die äußerliche Ähnlichkeit mit Kaiserin Sisi, die Beobachter festgestellt haben wollen, tut sie als „nicht so wichtigen Kommentar“ ab.

Aber zurück zu Georgien: Das Land sei auf dem besten Weg zu einer stabilen, ausgewogenen Demokratie. „Wir haben gerade eine große Verfassungsreform gemacht, sind bei der Korruptionsbekämpfung unter den Ländern in der Region führend, haben ein gutes Rating in ,doing business‘.“ Mit der EU sei ein Visumerleichterungsabkommen unterzeichnet worden. „Alles umzusetzen braucht einfach seine Zeit.“ Zudem leide Georgien noch unter den Folgen des Krieges mit Russland im Sommer 2008. „Tatsächlich sind 20Prozent unseres Landes von Russland besetzt. Eine halbe Million Flüchtlinge aus diesen Gebieten sind eine Riesenbelastung.“

 

Gabriela von Habsburg diskutiert heute, Donnerstag, ab 18.30Uhr im Institut für die Wissenschaften vom Menschen (Spittelauer Lände3, 1090 Wien) mit dem Historiker Timothy Snyder und „Presse“-Außenpolitik-Chef Christian Ultsch über Georgiens europäische Perspektive.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.05.2011)

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