Libyen: Britische Piloten wegen Trunkenheit abberufen

Zwei Kampfpiloten waren nicht mehr fähig, ihre Flugzeuge zu steuern. Indes wurde bei neuen Nato-Angriffen womöglich eine Schule getroffen.

Libyen Britische Piloten wegen
Libyen Britische Piloten wegen
(c) EPA (LINDSEY PARNABY)

Zwei an den Nato-Luftangriffen gegen Libyen beteiligte britische Kampfpiloten sind wegen Trunkenheit in ihre Heimat zurückbeordert worden. Die beiden Soldaten, deren Verhalten nicht den "hohen Kriterien" der Royal Air Force entspreche, könnten "intern belangt" werden, teilte das Verteidigungsministerium in London am Mittwoch mit. Die Piloten waren auf dem italienischen Luftwaffenstützpunkt Gioia del Colle stationiert. Von dort aus beteiligt sich Großbritannien mit mehreren Kampfflugzeugen an den Luftangriffen auf Libyen.

Medienberichten zufolge tranken die beiden Briten in einem italienischen Hotel Ende März dermaßen viel Alkohol, dass sie nicht mehr imstande waren, ihre Maschinen zu steuern.

Hat Nato Schule bombardiert?

Die Royal Air Force habe bis auf weiteres den Konsum von Alkohol für Mitglieder der Luftwaffe im Mittelmeergebiet untersagt. Der britische Premierminister David Cameron hatte den Luftwaffenstützpunkt Anfang April besucht und dabei die "eindrucksvolle Arbeit" der Soldaten gewürdigt. Die Nato hatte am Dienstag die schwersten Luftangriffe auf die libysche Hauptstadt Tripolis seit Beginn des Militäreinsatzes Mitte März geflogen. Der libyschen Regierung zufolge wurden drei Menschen getötet und etwa 150 weitere verletzt.

Indes hat es in der Hauptstadt Tripolis in der Nacht auf Donnerstag nach Regierungsangaben erneut mehrere Explosionen gegeben, berichtete der US-Nachrichtensender CNN. Ein libyscher Regierungssprecher sagte, Nato-Flugzeuge hätten eine Schule getroffen. Ein Nato-Sprecher sagte nach CNN-Angaben, er könne dies nicht bestätigen.

US-Munition für die Nato-Verbündeten

Stunden zuvor hatten die USA erstmals öffentlich erklärt, dass sie die am Nato-Einsatz gegen Libyen beteiligten Länder mit Munition versorgen. Pentagon-Sprecher David Lapan teilte am Mittwoch mit, dass die US-Armee den Verbündeten "Material, darunter Munition" für den Einsatz gegen die Truppen des libyschen Diktators Muammer al-Gaddafi zur Verfügung gestellt habe. Einigen der am Nato-Einsatz beteiligten Länder gingen zuletzt Munitionsvorräte und Ersatzteile aus. Laut Lapan stellten die USA seit der Kommandoübernahme durch die Nato am 1. April Material und technische Hilfe im Wert von 24,3 Millionen Dollar (17,3 Millionen Euro) zur Verfügung.

Die libysche Hauptstadt Tripolis wurde am Mittwochabend erneut von Explosionen erschüttert. Ein Reporter hörte vier Detonationen in der Nähe des Stadtzentrums. Kampfflugzeuge überflogen Tripolis. Die amtliche libysche Nachrichtenagentur JANA berichtete zuvor, dass Nato-Jets "zivile und militärische Anlagen" in Naljut in der Bergregion Jebel Nafussa attackiert hätten. In der Region rund 230 Kilometer westlich von Tripolis lieferten sich Rebellen und Gaddafi-Truppen in den vergangenen Wochen heftige Kämpfe.

(Ag.)

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