Marokko nimmt Verfassung mit großer Mehrheit an

Die neue Verfassung gibt der Regierung mehr Macht, König Mohammed VI. bleibt aber Oberbefehlshaber des Militärs und letzte Instanz in Rechtsfragen. Die Opposition hatte zum Boykott der Wahl aufgerufen.

Marokko nehmen Verfassung grosser
Marokko nehmen Verfassung grosser
Eine Marokkanerin an der Urne – (c) AP (Abdeljalil Bounhar)

Mit überwältigender Mehrheit haben sich die Marokkaner am Freitag für eine neue Verfassung ausgesprochen. Dem vorläufigen Wahlergebnis zufolge stimmten 98 Prozent der Wähler für die Verfassungsänderung, wie Innenminister Taib Cherkaoui nach der Auszählung der Stimmzettel in 94 Prozent der Wahllokale sagte. Die Wahlbeteiligung lag demnach bei 72,6 Prozent. Das Referendum sei in "normaler Atmosphäre" vollzogen worden, sagte der Innenminister. Vor allem junge Menschen seien zur Abstimmung gegangen, 30 Prozent der Wähler seien jünger als 35 Jahre gewesen. Die Opposition hatte zum Boykott der Wahl aufgerufen.

Rund 13 Millionen Wahlberechtigte waren aufgerufen, bis zum Abend ihre Stimme abzugeben. Der Mitte Juni von König Mohammed VI. vorgelegte Entwurf sieht eine teilweise Machtverlagerung vom Monarchen auf den Ministerpräsidenten und das Parlament sowie eine stärkere Unabhängigkeit der Justiz vor. Die Schlüsselrolle im Machtgefüge soll aber auch in Zukunft der König innehaben, bleibt er doch Oberbefehlshaber des Militärs und letzte Instanz in Religions- und Rechtsfragen. In der neuen Verfassung sollen zudem die Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen sowie der Schutz der Menschenrechte festgeschrieben werden.

Der seit 1999 regierende Mohammed VI. hatte die Verfassungsänderung erstmals im März unter dem Eindruck von Massenprotesten für mehr Demokratie versprochen. Die Proteste in Marokko fielen aber weniger groß aus als in anderen arabischen Staaten, etwa in Tunesien und Ägypten, wo die seit Jahrzehnten herrschenden Staatschefs aus ihren Ämtern gefegt wurden.

(Ag.)

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