Italien: Blog enthüllt Privilegien der Abgeordneten

Milliarden-Sparpaket und dann das: Ein Blogger, der offenbar 15 Jahre im Abgeordnetenhaus gearbeitet hat, schreibt über Gratis-Flüge, verbilligte Autos und teure Frisöre.

Italien Blog enthuellt Privilegien
Italien Blog enthuellt Privilegien
Archivbild: Finanzminister Giulio Tremonti im Parlament. – (c) REUTERS (TONY GENTILE)

Er nennt sich "Spidertruman" und hat eine Mission: Nach 15 Jahren prekärer Beschäftigung im Palazzo Montecitorio, der italienischen Abgeordnetenkammer, habe er sich entschieden "die Geheimnisse der Kaste nach und nach aufzudecken".

Er hat nicht zu viel versprochen: Auf einem Blog und einer Facebook-Seite veröffentlicht "Spidertruman" Dokumente, die Privilegien der Parlamentarier auflisten. Nur kurz nachdem das Abgeordnetenhaus ein milliardenschweres Sparpaket verabschiedete, gingen die ersten Beiträge online.

Rabatte und Diebstahlversicherungen

Der Blogger, der angeblich erst vor kurzem entlassen wurde, berichtet von exklusiven Telefon-Tarifen, Gratis-Flügen für die Familie und Rabatten beim Autokauf. Auf einer eingescannten Liste ist etwa zu lesen, dass Peugeot den "ehrenhaften Parlamentariern" Preisnachlässe von bis zu 20 Prozent gewährt. Natürlich gebe es auch ähnliche Vergünstigungen bei anderen Autobauern, die er bald veröffentlichen werde, schreibt der anonyme Blogger.

Doch das ist noch nicht alles: Trotz rigider Sicherheitskontrollen würden immer mehr Laptops oder Brieftaschen als gestohlen gemeldet. Der Blogger hat dafür eine einfache Erklärung: "Eine Versicherung deckt alle Diebstähle, die im Montecitorio verübt werden, ab".
Ein italienischer Abgeordneter verdient übrigens 14.000 Euro im Monat.

"Das ist keine Demokratie"

Das Echo auf die Facebook-Seite ist überwältigend. Montagmittag hatte sie bereits über 210.000 Fans, jede Minute werden es mehr. "Es ist der Moment gekommen, um 'Es reicht!' zu sagen", "Ich schäme mich, sie gewählt zu haben (ob rechts oder links - sie sind alle gleich)" oder "Das ist keine Demokratie" schreiben die wütenden Facebook-Mitglieder. Andere rufen zum Boykott der genannten Firmen auf. Medien nennen den Blog bereits das "italienische Wikileaks".

Während heftig über die Identität des anonymen Rächers - oder der Rächerin - spekuliert wird, veröffentlicht "Spidertruman" weiter: Zum Beispiel Informationen über die neun Frisöre, die im Palazzo Montecitorio arbeiten und 11.000 Euro im Monat verdienen. Und darüber, dass sie alle den selben Dialekt sprechen wie ein ehemaliger Kammerpräsident.

(sk)

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