Golowatow lobt in Interview Österreich

Der Ex-KGB-Offizier bezeichnet das Vorgehen der österreichischen Behörden als "absolut korrekt". Die Anklage gegen ihn sei "politischer Natur".

Golowatow
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Golowatow – (c) EPA (Romas Ganisevicius)

Er ist ein mutmaßlicher Kriegsverbrecher und ein ehemaliger Offizier des KGB - und er ist ein freier Mann. Österreich hat Michail Golowatow am vergangenen Freitag laufen gelassen und damit eine diplomatische Krise mit dem Baltikum ausgelöst. Jetzt bedankte sich der in Litauen angeklagte und per europäischem Haftbefehl gesuchte Russe in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Ria Novosti bei Österreich.

Golowatow lobte das "absolut korrekte Vorgehen" der rot-weiß-roten Behörden. Nach nur 22 Stunden hatten sie ihn laufen lassen. Der Verdacht liegt nahe: Russland hat interveniert. Auch Golowatow deutet das an: "Es ist dem kompetenten Vorgehen des russischen Botschafters zu verdanken, dass die Situation unter Kontrolle gehalten werden konnte", wird der 61-Jährige zitiert. Er habe sich jedenfalls "nicht im Stich gelassen" gefühlt.

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Nach seiner Verhaftung am vergangenen Donnerstag um 16.45 Uhr am Flughafen Wien-Schwechat habe er sofort den Botschafter verlangt, so Golowatow. Dieser sei dann bis fünf Uhr morgens  "ständig" "mit dem Staatsanwalt der Republik Österreich" und dem stellvertretenden russischen Außenminister sowie dem "Diensthabenden des Innenministeriums" in telefonischem Kontakt gestanden.

"Anklagepunkte politischer Natur"

Am frühen Vormittag dürfte sich Russland seiner Sache ziemlich sicher gewesen sein: Ein von der russischen Botschaft organisierter Anwalt erklärte Golowatow, dass der europäische Haftbefehl gegen ihn nicht vollzogen werden kann, weil "alle dort angeführten Anklagepunkte politischer Natur" seien.

Eigentlich hatte der Ex-KGB-Offizier die Entscheidung über seine Auslieferung dann bis 11 Uhr erwartet, diese sei jedoch auf 13 Uhr verschoben worden, so Golowatow. 13 Uhr? Die österreichischen Behörden hatten Litauen nach eigenen Angaben eine Frist bis 14 Uhr gesetzt, um den Tatverdacht zu konkretisieren. Um 15.45 Uhr schließlich teilte der Botschafter Golowatow telefonisch mit, dass er freigelassen werde und nach Moskau zurückkehren könne.

Der 61-Jährige wird in Litauen für den Sturm der sowjetischen Sondereinheit "Alpha", deren Kommandant er zu dieser Zeit war, auf das TV-Gebäude in Vilnius am 13. Jänner 1991 verantwortlich gemacht. Dabei wurden 14  Menschen getötet und Hunderte verletzt.

"Habe mein Leben lang Terroristen bekämpft"

Golowatow sagt, die Anklage gegen ihn sei politischer Natur. Er habe jedenfalls als Kommandant der Sondereinheit gegen Terroristen und Extremisten gekämpft. Was er nicht sagt: Die Unabhängigkeits-Aktivisten am 13. Jänner 1991 waren unbewaffnet.

(APA)

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