Europas Rechtsparteien gehen auf Distanz zum Einzeltäter

Von der Front National bis zur Jobbik und Geert Wilders, der Osloer Attentäter wird als politisch ahnungslos bezeichnet. Der Täter verstehe nichts vom Nationalismus.

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(c) REUTERS (FABRIZIO BENSCH)

Wien/Ag. Der mutmaßliche Attentäter von Norwegen wird von der Polizei als „christlicher Fundamentalist“ mit Kontakten in rechtsextreme Kreise bezeichnet. Er selbst bewertet in seinem Manifest aber auch rechtspopulistische Parteien als positiv. Was diese europaweit wenig freut.

Der Front National (FN) wandte sich am Montag vehement gegen den Vorwurf einer französischen Antirassismusorganisation, die die rechten Parteien in Europa für „das schädliche Klima, das auf dem Kontinent lastet“, verantwortlich machte. In Schweden erregte die Nachricht Aufsehen, dass ein ehemaliges Mitglied der rechtspopulistischen Schwedendemokraten (SD), Isak Nygren, eine jener Personen war, denen Breivik sein 1500-seitiges Manifest zukommen ließ. Nygren hatte das selbst in seinem Blog eingeräumt. In Finnland dementierte der für seine islamfeindlichen Verbalattacken berüchtigte Abgeordnete der rechtspopulistischen „Wahren Finnen“, Jussi Halla-aho, zum selben Kreis zu gehören. Er habe das Dokument über Umwege erhalten.

Für die rechtspopulistische Dänische Volkspartei verurteilte deren Abgeordneter Sören Espersen die Anschläge: „Das gesprochene und geschriebene Wort sind in der dänischen und internationalen Politik die einzigen zugelassenen Waffen.“ Der rechtsextreme belgische Vlaams Belang meinte, es sei bekannt, dass man kein Anhänger der multikulturellen Idee sei, dies bedeute aber nicht den Aufruf zur oder die Rechtfertigung von Gewalt – gegen wen immer es auch sei. Der Täter verstehe auch nichts vom Nationalismus, denn Nationalismus lebe von der Liebe zu seinem Volk und nicht vom Hass.

 

„Multikultur spielt keine Rolle“

Auch der niederländische Islamgegner Geert Wilders distanzierte sich und bezeichnete Breivik als „gewalttätig und krank“. Für Italiens rechtspopulistische Regierungspartei Lega Nord hat das Blutbad in Norwegen nichts mit Angst vor einem multikulturellen Europa zu tun. „Beim Massaker in Norwegen spielt Multikultur keine Rolle. Hier geht es um einen aus dem psychischen Gleichgewicht gebrachten Einzelnen.“ Der Europa-Abgeordnete der Lega Nord, Mario Borghezio, meinte gar, das Massaker in Norwegen sei Ausdruck einer „Jihad-Kultur“. Gabor Vona, Chef der rechtsradikalen, ungarischen Jobbik-Partei sprach von einem „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. Und das Präsidium der rechtsextremen deutschen NDP teilte mit: „Die Politiker der BRD versuchen die Anschläge eines Ökobauern in Norwegen für ihre Zwecke auszunutzen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.07.2011)

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