Großbritannien: Skandal wird immer peinlicher für Cameron

Premier Cameron kommt im „News of the World“-Abhörskandal unter Druck: Sein Ex-Pressesprecher und früherer „News of the World“-Chefredakteur bekam auch nach seinem Ausscheiden Gelder von Murdochs Konzern.

(c) Reuters (OLIVIA HARRIS)

London. David Camerons Ferien stehen diesen Sommer unter keinem guten Stern – zuerst musste der britische Premier wegen der Unruhen in seinem Land seinen Italien-Urlaub abbrechen, am Montag musste er wegen Libyen aus Cornwall nach London zurückreisen. Doch eine weitere Krise droht dem Konservativen weit größere Kopfschmerzen zu bereiten: Im Abhörskandal um das mittlerweile eingestellte Boulevardblatt „News of the World“ des Medienmoguls Rupert Murdoch dringen immer mehr pikante Details an die Öffentlichkeit, die nach Oppositionsmeinung einen Verstoß gegen die Parteispendengesetze bedeuten könnten und das Urteilsvermögen von Cameron in Frage stellen.

Wie die BBC berichtet, soll Camerons ehemaliger Sprecher Andy Coulson 2007 mehrere hunderttausend Pfund in bar von „News of the World“-Mutterkonzern News International (NI) bekommen haben, als er schon in Diensten der Konservativen stand. Außerdem soll der Murdoch-Konzern ihm noch jahrelang Krankenkassenprämien und einen Dienstwagen finanziert haben. Coulson (43), der von 2003 bis Anfang 2007 „News of the World“-Chefredakteur war, gilt als eine der Schlüsselfiguren im Skandal um abgehörte Handy-Sprachnachrichten von Stars, Politikern, Mitgliedern des Königshauses und sogar einem Mordopfer.

Nachdem deswegen einer seiner Reporter zu mehreren Jahren Haft verurteilt wurde, verließ Coulson die Zeitung und heuerte ein paar Monate später bei Cameron an. Nach der Wahl 2010 wurde er Regierungssprecher, gab das Amt aber Anfang dieses Jahres auf, als Details über weitere Abhöropfer erneut Schlagzeilen machten.

Im Sommer wurde Coulson wegen seiner Rolle in dem Skandal (er soll die Abhöraktionen genehmigt haben) verhaftet und auf Kaution wieder freigelassen. Die jetzt bekannt gewordenen Zahlungen, die Coulson zusätzlich zu seinem Parteisprecher-Salär von knapp 315.000 Euro im Jahr bekommen haben soll, waren offenbar Teil seines Abfindungspakets.

 

Labour: Parteispendenskandal

Doch nach Einschätzung des Labour-Abgeordneten Tom Watson, der seit Jahren vehement für die Aufklärung des Skandals kämpft, könnten die Zahlungen einer verdeckten Parteispende an die Konservativen gleichkommen. Watson will nun den Wahlausschuss einschalten. Und er meint: „David Cameron müsste es peinlich sein, dass sich sein PR-Chef noch drei Jahre lang den Dienstwagen von Murdoch hat finanzieren lassen.“

Ein Sprecher der Konservativen erklärte, die Partei wisse nichts über Coulsons Abfindung. Und auch Murdochs News International erklärte, man diskutiere die finanziellen Arrangements mit ehemaligen Mitarbeitern nicht.

Premier Cameron selbst hat sich zu den neuen Vorwürfen bislang nicht geäußert – der Konservative hatte Coulson noch bis zu dessen Verhaftung als „guten Freund, der eine zweite Chance verdient“ bezeichnet. Er habe Coulson geglaubt, als dieser ihm versicherte, von den Abhöraktionen seiner Reporter bei „News of the World“ nichts gewusst zu haben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.08.2011)

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