Estland: Ilves im Präsidentenamt bestätigt

Estlands Staatsoberhaupt Toomas Hendrik Ilves erhielt am Montag mit 73 von 101 Stimmen bereits im ersten Wahlgang die nötige Zweidrittelmehrheit. Sein einziger Gegenkandidat Indrek Tarand bekam 25 Stimmen.

(c) REUTERS (INTS KALNINS)

Tallinn/Gam. Estlands Präsident Toomas Hendrik Ilves bleibt im Amt, das Parlament in Tallinn wählte den 57-Jährigen am Montag für eine weitere fünfjährige Periode zum Staatsoberhaupt: Schon in der ersten Wahlrunde erhielt Ilves mit 73 von 101 Stimmen die notwendige Zweidrittelmehrheit, um einen weiteren Wahldurchgang oder den Umweg über ein Wahlmännerkollegium zu vermeiden, das zum Zug kommt, wenn es im Parlament keine qualifizierte Mehrheit gibt. Sein einziger Gegenkandidat, der zehn Jahre jüngere Europaparlamentarier Indrek Tarand, bekam 25 Stimmen, drei Stimmen waren ungültig. Bei allen bisherigen Präsidentschaftswahlen in Estland fiel die Entscheidung erst in der Elektorenversammlung.

Diesmal aber war die Ausgangslage klar. Die liberal-konservative Koalition und die Sozialdemokraten, denen Ilves vor seiner Wahl vor fünf Jahren angehörte, stellten sich hinter den Präsidenten.

 

Vorreiter für Nato und EU

Der sprachkundige, als eigenwillig geltende Präsident ist einer der profiliertesten Politiker seines Landes, war ein engagierter Vorkämpfer für die Mitgliedschaft in Nato, EU und Eurozone und sieht Estland näher an Skandinavien als an den baltischen Nachbarn.

Der als Sohn von Exil-Esten in Schweden geborene und in den USA aufgewachsene Psychologe lernte die Heimat seiner Vorfahren erst als Erwachsener kennen. 1993 ging er als estnischer Botschafter nach Washington und war zwischen 1996 und 2002 in zwei Perioden Außenminister. Von 2002 bis 2006 saß er im Europaparlament, dann wurde er in einer Kampfwahl gegen Amtsinhaber Arnold Rüütel zum Staatsoberhaupt gewählt. Auf die Frage, wann er begonnen habe, daran zu glauben, dass Estland wieder selbstständig sein werde, sagte er dieser Zeitung einmal: „Daran habe ich niemals gezweifelt.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.08.2011)

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