Das Wiener Werk des Viktor Janukowitsch

Der ukrainische Präsident veröffentlichte unlängst eine Politschrift im Wiener Kleinverlag Mandelbaum. Die Geschichte einer ungewöhnlichen Kooperation.

Ich träume, dass am Ende meiner Präsidentschaft alle meine Wähler zufrieden sagen werden: Ich habe die richtige Wahl getroffen, als ich für Janukowitsch gestimmt habe. Und dass jene, die mich nicht unterstützt haben, ihren Fehler einsehen.“ Das also sind die politischen Träume eines Viktor Janukowitsch, niedergeschrieben in seiner 300-Seiten-Schrift „Opportunity Ukraine“. Erschienen ist das an Investoren gerichtete Werk im Wiener Mandelbaum-Verlag, ansonsten bekannt für Gourmettitel und globalisierungskritische Sachbücher. Präsidentenliteratur, jenes Genre mit der ihm eigenen Mischung aus Selbstverliebtheit und forscher Programmatik, gehörte bisher nicht zum Verlagsprofil.

Die Startauflage der englischen Ausgabe mag die ungewöhnliche Neuerscheinung erklären: 50.000Stück, 45.000Stück Fixabnahme, Editionen in deutscher und ukrainischer Sprache sollen bis Jahresende folgen. Üblicherweise publiziert der Kleinverlag in einer Größenordnung von maximal 3000Exemplaren. Verlagsleiter Michael Baiculescu bezeichnet das Buch als „kommerziellen Auftrag“. Der Donezker Verlag „Nowyi Swit“ habe „sehr kurzfristig“ einen westlichen Verlag und Vertrieb gesucht, Mandelbaum setzte sich unter 150Mitbewerbern durch. „Wir hatten Glück, dass wir an Papier gekommen sind“, sagt Baiculescu, der über die Geldgeber des Projekts nicht viel weiß: „Private Finanziers“.

„Aufgebauscht“ findet der Verleger die Plagiatsvorwürfe, die die oppositionsnahe Internetzeitung „Ukrainskaja Prawda“ gegen den Autor erhoben hat. Geprüft habe man das Manuskript aus Zeitmangel nicht so eingehend wie sonst, aber: „Der Großteil ist kein Plagiat, sondern schlampig zitiert.“

Finanziell war der Auftrag sehr lukrativ. Dass der Ruf seines Verlags wegen des Projekts gelitten habe, dementiert Baiculescu nicht. Zu Janukowitschs Ukraine-Vision will er inhaltlich „keine Statements“ abgeben. Auf der Frankfurter Buchmesse wird das Werk jedenfalls neben „Kloster Kulinarium“ und „Das Kapital politisch lesen“ im Regal stehen: „Wir verstecken es nicht.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.10.2011)

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