Codewort 'Chevrolet': Das Drehbuch des Mordkomplotts

Verschwörer, Agenten und Drogendealer als Auftragskiller: Wie der Iran angeblich den saudischen Botschafter in Washington töten wollte.

Courtroom sketch of Manssor Arbabsiar
Courtroom sketch of Manssor Arbabsiar
(c) Reuters (Ho)

Iranische Verschwörer, ein mexikanischer Drogendealer als Auftragskiller, der saudi-arabische Botschafter in den USA als Ziel eines Bombenanschlags - der Attentatsplan, den die US-Behörden nach eigenen Angaben vereitelt haben, erinnert an einen romanhaften Polit-Thriller. Doch für den Chef der Bundespolizei FBI, Robert Mueller, ist es ernste Realität: "Auch wenn es sich wie ein Hollywood-Drehbuch liest, wären die Auswirkungen sehr real und viele Menschenleben verloren gewesen", sagte er. Ernst werden dürfte es jetzt für die iranische Regierung, auch wenn sie die Vorwürfe zurückweist: Washington will die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen.

Zwei Männer stehen im Mittelpunkt des angeblichen Komplotts: Manssor Arbabsiar, ein in den USA eingebürgerter Iraner, und Gholam Shakuri, Angehöriger der Al-Quds-Eliteeinheit der iranischen Revolutionsgarden. Arbabsiar soll das Attentat in den USA vorbereitet und den Mordauftrag an ein vermeintliches Mitglied einer mexikanischen Drogenbande vergeben, Shakuri den Plan mit dem Wissen anderer hochrangiger iranischer Vertreter gesteuert und finanziert haben. Arbabsiar wurde Ende September am New Yorker Flughafen JFK festgenommen, Shakuri ist flüchtig.

Der Anklageschrift zufolge traf sich Arbabsiar im Mai 2011 erstmals mit dem Mexikaner, der in den Akten nur unter dem Kürzel CS-1 geführt wird. Der Mann war in den USA wegen Drogenhandels angeklagt, im Gegenzug für die Einstellung des Verfahrens arbeitete er fortan für die US-Drogenfahnder als Informant. CS-1 konnte Arbabsiar überzeugen, dass er zu einem der großen Drogenkartelle gehört, für die Auftragsmorde Tagesgeschäft sind. Nach Treffen im Juni und Juli heuerte Arbabsiar den Mexikaner an. Der Auftrag: die Ermordung von Saudi-Arabiens US-Botschafter Adel el Jubeir. Der Preis: 1,5 Millionen Dollar. Im August soll Arbabsiar eine Anzahlung von 100.000 Dollar überwiesen haben.

Der US-Iraner soll nach Justizangaben ausgesagt haben, von einem Cousin, der zur Al-Quds-Einheit gehört, im Frühjahr für die Tat rekrutiert worden zu sein. Zunächst sei es nur um die Entführung des saudi-arabischen Botschafters gegangen. Nach den ersten Treffen in Mexiko flog Arbabsiar der Anklage zufolge in den Iran, wo Schakuri sein zentraler Kontaktmann wurde. Auch weitere ranghohe Mitglieder der militärischen Eliteeinheit seien eingeweiht gewesen.

"Codewort Chevrolet"

Arbabsiar und Shakuri benutzten das Codewort "Chevrolet", wenn sie über das Attentat sprachen - als ginge es um einen Autokauf. Der Plan sei gewesen, El Jubeir in einem Restaurant in Washington in die Luft zu sprengen. Der Tod von bis zu 150 Gästen war ihnen demnach egal. Bei einem Treffen mit CS-1 soll Arbabsiar zu der möglichen Opferzahl gesagt haben: "Kein Problem".

Nach seiner Festnahme am 29. September legte Arbabsiar den Angaben zufolge ein Geständnis ab. Laut Anklageschrift willigte er in Telefonate mit Shakuri ein, die von den Ermittlern mitgeschnitten wurden. "Ich wollte dir sagen, dass der Chevrolet fertig ist", sagte Arbabsiar demnach zu seinem Kontaktmann. Shakuri habe geantwortet: "Kauf es, kauf alles davon."

Arbabsiar wurde am Dienstag dem Haftrichter vorgeführt, er bleibt bis auf weiteres hinter Gittern. Nach Angaben seines Anwalts will sich der 56-Jährige nicht schuldig bekennen. Die Regierung in Teheran wischte die Anschuldigungen vom Tisch. Ein Berater des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinejad sprach von einem "konstruierten Szenario", mit dem die USA von ihren innenpolitischen Problemen ablenken wollten.

Doch Washington droht mit harschen Konsequenzen. Die "Verschwörung" sei vom Iran aus "erdacht, gefördert und gelenkt" worden, sagte Justizminister Eric Holder. Außenministerin Hillary Clinton kündigte den Einsatz der USA für weitere internationale Strafmaßnahmen gegen Teheran an - zusätzlich zu den bereits vom UN-Sicherheitsrat verhängten Sanktionen wegen des iranischen Atomprogramms. Der Iran müsse innerhalb der Weltgemeinschaft "isoliert" werden.

(Ag.)

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