Das große Feuerwerk am Persischen Golf

Zum Ende des Manövers in der Straße von Hormus wurden wieder Anti-Schiffraketen getestet. Die EU erwägt ein Ölembargo, um den Iran vom Bau einer Atombombe abzubringen.

(c) AP (Amir Kholousi)

Teheran/Washington/Ag./Wg. Der Iran war auch am Montag, dem angeblich letzten Tag der Manöver in der Straße von Hormus, bemüht, sein Potenzial für eine Sperre dieser wichtigsten Öltransportroute der Welt zu zeigen: Nach Angaben von Vize-Marinechef Mahmoud Moussavi wurden von Schiffen und Startrampen an Land aus Anti-Schiffraketen der Modelle „Noor“ und „Qader“ gestartet; sie hätten ihre Ziele auf dem Meer erfolgreich getroffen.

Irans Vizepräsident Mohammed Reza Rahimi hatte gedroht, man werde die Meerenge zwischen Iran und Oman, die 54 Kilometer breit ist und durch die 20 Prozent des Weltölverbrauchs verschifft werden, sperren, sollte der Westen weitere Sanktionen verhängen. Die EU erwägt ein Ölembargo, um den Iran vom Bau einer Atombombe abzubringen. Admiral Habibollah Sayyari relativierte die Drohung zuletzt: Man habe keinen Befehl, die Straße zu sperren, sei aber „auf diverse Szenarios vorbereitet“. Kazem Jalali, Mitglied im sicherheitspolitischen Ausschuss des Parlaments, sagte, man werde im Notfall das „Verteidigungspotenzial“ des Seewegs nutzen.

Die „Noor“ (Licht) ist eine vom Iran hergestellte Seezielrakete mit einer Reichweite von etwa 200 Kilometern. Über sie weiß man wenig, sie basiert aber auf der chinesischen „C-802“ und hat ein nachgebautes französisches Triebwerk. Die C-802 jedenfalls ist widerstandsfähig gegen elektronische Abwehrsysteme, fliegt ihr Ziel in fünf bis sieben Meter Höhe über dem Wasser mit ca. 900 km/h an, macht Ausweichbewegungen und bringt einen 165-Kilo-Sprengkopf mit 98-prozentiger Sicherheit ins Ziel. Sie ist für Abwehrraketen und Kanonen ein sehr schwieriges Ziel.

 

Testschuss auf israelisches Schiff

Die libanesische Schiitenmiliz Hisbollah schoss im Juli 2006 eine C-802 gegen die israelische Korvette „Hanit“, diese wurde schwer beschädigt, vier Seeleute starben. Die Rakete dürfte der Iran geliefert haben, der von China mindestens 60 Stück erworben hat; die Zahl der Noors ist unbekannt. Die „Qader“ (Fähig) ist vergleichbar, aber moderner (sie wurde erst im September ausgeliefert) und angeblich für Radare besonders schwer zu entdecken; die Stückzahl ist unbekannt.

Irans Marine hat nur wenige größere Kriegsschiffe (fünf Fregatten, drei Korvetten), aber mehr als 26 (meist sehr kleine) U-Boote und über 200 wendige Schnellboote. Israels Vizepremier Moshe Yaalon sagte zwar am Montag, Irans Flotte habe gegen die westlichen Kräfte in der Region keine Chance – die Schnellboote, die Raketen tragen können, sowie die küstengestützten Flugkörper könnten die Straße von Hormus dennoch längere Zeit unpassierbar machen. Damit könnte Teheran seine Strategie effektiv umsetzen, durch eine Blockade der Öltransporte den Ölpreis explodieren zu lassen und damit vor allem der westlichen Wirtschaft enorm zu schaden.

 

Iranische Marine im Atlantik?

Admiral Sayyari hatte übrigens vor einiger Zeit angekündigt, Schiffe mit Qader-Raketen demnächst permanent im Atlantik zu stationieren – zwecks „machtvoller Präsenz nahe der Grenzen der USA“.

Frankreich kritisierte die Raketentests: „Wir bedauern das sehr schlechte Signal an die internationale Gemeinschaft“, sagte der Sprecher des Außenamts, Bernard Valero, am Montag. US-Präsident Barack Obama hatte am Wochenende neue Sanktionen gegen Iran verhängt, vor allem gegen Finanzinstitutionen. Die EU erwägt einen Einfuhrstopp von iranischem Öl.

Die USA rüsten umgekehrt das andere Ufer des Persischen Golfs auf: Die Vereinigten Arabischen Emirate erhalten zwei Batterien mit 96 Raketen des Systems „THAAD“ (Terminal High Altitude Area Defence) zum Abfangen ballistischer Raketen und sie modernisieren die „Patriot“-Luftabwehrsysteme Kuwaits und Saudiarabiens. Vorige Woche wurden 84 weitere F-15-Jagdflieger an Riad verkauft.

Das sende „die klare Botschaft, dass sich die USA der Stabilität am Golf verpflichtet fühlen“, sagte der Staatssekretär für Militärfragen im US-Außenamt, Andrew Shapiro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.01.2012)

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