Indischer Jet-Deal: Gaben Atomwaffen den Ausschlag?

Einem Insider zufolge siegte der französische Jet "Rafale" auch deshalb über Eurofighter "Typhoon", weil er nuklearwaffentauglich ist.

Indischer Jet-Deal: Gaben Atomwaffen den Ausschlag?
Indischer Jet-Deal: Gaben Atomwaffen den Ausschlag?
Rafale – (c) EPA (Lucas Dolega)

DELHI/WIEN. "Die Rafale verleiht unserer Luftwaffe einen gewaltigen Kampfvorteil in der Region", jubelte der frühere indische Luftwaffenchef Fali Homi Major, als Indiens Regierung vor Tagen den französischen Kampfjet als Sieger im internationalen Ringen um eine Großanschaffung durch Indien bekanntgab. Die Rafale (auf deutsch "Böe") von Dassault setzte sich, nachdem in der Vorausscheidung Anbieter aus den USA, Russland und Schweden ausgesiebt worden waren, zuletzt gegen die "Typhoon" des "Eurofighter"-Konsortiums durch, das von Deutschland, Italien, Großbritannien und Spanien getragen wird.

126 Flugzeuge, mit einer Option auf 70 bis 80 weitere, wird Indien nun beschaffen. Der Gesamtpreis wird sich im Rahmen von neun bis 15 Milliarden Euro bewegen, es ist eines der größten Rüstungsgeschäfte seit Jahrzehnten.

Typhoon galt als Favorit

Der Sieg für Dassault kam einigermaßen überraschend, da die Typhoon als Favorit der Inder galt. Beide Maschinen haben sich übrigens im Vorjahr im Rahmen des internationalen Luftwaffeneinsatzes in Libyen im Kampf gegen Bodenziele ohne jeden Eigenverlust bewährt. Zwar werden sich die finalen Vertragsverhandlungen noch einige Wochen hinziehen, erst im März dürfte der Vertrag tatsächlich unterschrieben werden - zudem werden tatsächlich nur 18 Flugzeuge tatsächlich in Europa gebaut, der große Rest wird in Indien in Lizenz gefertigt werden, weil Delhi besonders scharf auf Technologietransfer ist.

Wie "Die Presse" aber aus militärischen Fachkreisen mit guten Kontakten in Indien erfuhr, dürften nicht nur die offiziell kolportierten Gründe den Entscheid für die Rafale gegeben haben: Etwa, weil sie pro Stück ein paar Millionen Euro billiger sei als die Typhoon, weil sie in der Luft-Boden-Rolle kampfstärker sei als die vorwiegend als Jäger konzipierte Typhoon, oder weil Indiens Luftwaffe mit Flugzeugen von Dassault, etwa der Mirage 2000, bereits lange Erfahrung hat.

Rafale für Einsatz von Nuklearwaffen ausgelegt

Das Zünglein an der Waage sei wohl ein Nukleares gewesen: Die Rafale ist nämlich dezidiert auch für den Einsatz von Nuklearwaffen ausgelegt. Die Typhoon ist das nicht - obwohl auch sie de Atommacht Indien einen ebenso "gewaltigen Kampfvorteil in der Region" verleihen würde, denn keiner der mächtigen Nachbarn Indiens - also Pakistan und China, beides ebenfalls Atommächte - verfügt zur Zeit über wirklich ebenbürtige Kampfjetmodelle.

Man sei an die Anbieter (zuletzt Eurofighter und Dassault) hinter den Kulissen sehr diskret mit der Frage herangetreten, inwieweit ihre Maschinen nukleartauglich seien, heißt es aus informierter Quelle im Gespräch mit der "Presse". Doch da habe Eurofighter schlichtweg nichts tun können: "Man stelle sich vor, die deutsche Kanzlerin Angela Merkel (sie hatte besonders heftig in Delhi für Eurofighter geworben, Anm.) tritt dafür ein, dass man auch die Typhoons für Indien atomwaffentauglich macht. Das wär jedenfalls politisch undenkbar."

Tatsächlich stellt die französische Luftwaffe seit einiger Zeit ihre atomar tauglichen Kampfstaffeln von den älteren Mirages auf die Rafale um. Deren Systeme (Elektronik, Radar, etc.) sind laut Experten etwa entsprechend "gehärtet", um durch die schwache radioaktive Strahlung von Kernwaffen an Bord nicht irritiert zu werden, und sie sollen auch dem Einfluss nuklearer Explosionen in einer gewissen Entfernung widerstehen - etwa dem nuklearen elektromagnetischen Impuls (NEMP)", der sehr leicht zum Ausfall elektrischer Systeme im weiteren Umkreis um die Kernexplosion führen kann; ein fliegendes Flugzeug könnte dadurch praktisch "ausgeschaltet" und schlimmstenfalls zum Absturz gebracht werden.

Die nuklearen Rafales der Franzosen sind derzeit mit dem Marschflugkörper "ASMP" (Air-Sol Moyenne Portée, also Luft-Boden-Rakete mittlerer Reichweite) bestückt, sie bringt einen 100 bis 300 Kilotonnen starken Explosivkopf über maximal 300 Kilometer ins Ziel. Indien hat ebenfalls nukleartaugliche Marschflugkörper wie die "Brahmos" (Gemeinschaftsprodukt mit Russland) sowie diverse schlichte Freifall-Atombomben. Umgekehrt verfügen auch die Luftwaffen Chinas und Pakistans über atomwaffentaugliche Jets.

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