Wilders: "Raus aus dem Euro"

Der niederländische Rechtspopulist legt eine umstrittene Studie eines Londoner Instituts vor, in der ein Austritt aus der Eurozone nahegelegt wird. Konter der Sozialdemokraten: Ein Euroexit wäre Hollands "Ruin".

Wilders Raus Euro
Wilders Raus Euro
(c) AP (Robin Utrecht)

Den haag. Der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders will den Gulden zurückhaben. Er plädiert dafür, dass Holland aus der Eurozone austritt, den Euro aufgibt und den Gulden wieder einführt. Das sei billiger als auf Dauer Griechenland mit vielen Milliarden Euro zu unterstützen, meint Wilders. Er begründet dies mit einer Studie des Londoner Wirtschaftsforschungsinstituts „Lombard Street Research“ (LSR). Allerdings: Wilders hat diese Studie beim LSR selbst in Auftrag gegeben. Und: Es ist wohl kein Zufall, dass Wilders für diese Untersuchung ausgerechnet ein britisches Institut wählte, wohl wissend, dass im Vereinigten Königreich die Europa- und Euroskeptiker den Ton angeben. Auch beim LSR. Es hat also den Anschein, dass es sich um eine „bestellte Studie“‘ handelt. Ergebnis vorprogrammiert.

 

Euroaustritt ein Gewinn?

Dennoch verfehlt sie ihre Wirkung nicht. Denn, kurz zusammengefasst, kommt das LSR zu dem Ergebnis, dass ein Austritt aus der Eurozone dem niederländischen Staat und damit dem Steuerzahler sogar einen Gewinn einbringen könnte. Er wird auf 800 Euro pro Person pro Jahr beziffert, wenn der Gulden ab 2014 wieder eingeführt würde und Holland die Eurozone verließe. Dem stehen der LSR-Studie zufolge Kosten von 2700 Euro pro Person pro Jahr gegenüber, falls die Niederlande weiterhin in der Eurozone blieben und sich an dem Euro-Rettungsschirm zur Finanzierung von Griechenland auch in Zukunft beteiligen sollten. Das würde die Niederlande laut LSR-Studie in den kommenden Jahren mindestens 127 Mrd. Euro kosten. Derzeit belaufen sich die Bürgschaften, die Holland für den Euro-Rettungsschirm gezeichnet hat, auf rund 40 Mrd. Euro.

Der provokante Vorstoß von Wilders zur Wiedereinführung des Gulden löste bereits am gestrigen Sonntag heftige Reaktionen aus. „Es ist eine Illusion, zu glauben, dass wir die Eurozone verlassen könnten. Das wäre unser Ruin“, konterte der sozialdemokratische Abgeordnete Ronald Plasterk. Er wirft Wilders und der von Wilders geführten rechtspopulistischen Freiheitspartei PVV „Scheinheiligkeit“ vor und spottet: „Die LSR ist bekannt dafür, dass sie gegen den Euro ist. Diesem Institut einen Auftrag zur Euromitgliedschaft der Niederlande zu geben, das sagt schon alles. Dann weiß man von vorneherein, wie das Ergebnis ausfallen wird.“

Wilders repräsentiert mit der von ihm gegründeten Freiheitspartei PVV rund ein Viertel der niederländischen Wähler.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.03.2012)

Kommentar zu Artikel:

Wilders: "Raus aus dem Euro"

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen