Libyen: Übergangsrat ortet "gefährliche Verschwörung"

Nach der Autonomieerklärung der Region Cyrenaika wirf Mustafa Abdul Jalil arabischen Regierungen Destabilisierungsversuche vor. Sie würden die "Sezession" finanziell unterstützen.

Mustafa Abdul Jalil, Chef des Nationalen Übergangsrates
Mustafa Abdul Jalil, Chef des Nationalen Übergangsrates
(c) EPA (Sabri Elmhedwi)

Der Nationale Übergangsrat von Libyen hat die Autonomieproklamation der östlichen Region Cyrenaika als "Sezession" bezeichnet und wie erwartet verurteilt.  Der Präsident des Rates, Mustafa Abdel Jalil, beschuldigte andere arabische Regierungen, sein Land destabilisieren zu wollen. "Bedauerlicherweise finanzieren und unterstützen arabische Bruderstaaten die Sezession im Osten aus Angst vor einer Ansteckung durch die Revolution", sagte der frühere Finanzminister auf einer Pressekonferenz Dienstagabend in Tripolis. Es handle sich um eine "sehr gefährliche Verschwörung" gegen die nationale Einheit Libyens.

Miliz- und Stammesführer hatten am Dienstag in Benghazi die Autonomie der ölreichen Cyrenaika ausgerufen, zugleich aber erklärt, sie wollten kein Auseinanderbrechen Libyens provozieren. Der 1951 durch UNO-Beschluss unabhängig gewordene libysche Staat entstand durch die Vereinigung dreier verschiedenartiger Landesteile: das urbane Tripolitanien im Westen gehört zum Maghreb, die Cyrenaika im Osten zum arabischen Orient und der südliche Fezzan zur Sahararegion. Der damals inthronisierte König Idris I. wurde 1969 in einem unblutigen Militärputsch unter Führung Muammar al-Gaddafis gestürzt.

Der Übergangsrat hat laut einer Analyse der "International Crisis Group" bisher keineswegs die Kontrolle über das kriegszerstörte Land. Mehr als 125.000 Libyer sollen noch unter Waffen stehen. Seit dem Sturz Gaddafis ringt der heterogene Übergangsrat um Recht und Ordnung, hat dabei aber nur geringe Erfolge vorzuweisen. Für Juni sind Wahlen zu einer Verfassungsgebenden Versammlung vorgesehen.

(APA)

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