Karzai fordert US-Abzug schon im Jahr 2013

Der afghanische Präsident Hamid Karzai fordert den Abzug der internationalen Truppen aus den Dörfern. Die radikal-fundamentalistischen Taliban setzen die Gespräche mit den Vereinigten Staaten in Katar aus.

(c) EPA (MICHAEL REYNOLDS)

Kabul/Wien/Ag. Der Amoklauf eines US-Soldaten in Afghanistan bringt die internationale Militärpräsenz im Land weiter unter Druck: Die afghanische Regierung will die Sicherheitsverantwortung nun bereits 2013 – und nicht wie bisher geplant 2014 – von den USA übernehmen. Präsident Hamid Karzai soll dies US-Verteidigungsminister Leon Panetta mitgeteilt haben. „Wir sind bereit, die gesamte Sicherheitsverantwortung jetzt zu übernehmen, und würden es vorziehen, wenn der Prozess 2013, nicht 2014, abgeschlossen ist.“

Außerdem habe Karzai bei dem Besuch Panettas den Rückzug der internationalen Truppen aus den Dörfern in ihre Stützpunkte gefordert. Dies gelte auch für entlegene Gebiete auf dem Land, erklärte Karzai am Donnerstag. Am Sonntag hatte ein US-Soldat bei einem Amoklauf in zwei Dörfern der südafghanischen Provinz Kandahar 16 Zivilisten getötet. Der Soldat soll bereits zu einer „geeigneten Arresteinrichtung“ außerhalb Afghanistans geflogen worden sein, so Pentagonsprecher John Kirby.

 

„Zeitverschwendung“ in Katar

Die radikal-fundamentalistischen Taliban kündigten zugleich an, alle Gespräche mit den USA einzustellen. Die Vereinigten Staaten hätten die Bedingungen für Friedensgespräche nicht erfüllt. „Angesichts ihrer wechselhaften und sich immer ändernden Haltung sah sich das Islamische Emirat gezwungen, den vollständigen Dialog mit den Amerikanern auszusetzen“, hieß es auf der Internetseite der Taliban. Die bisherigen Gespräche im Golf-Emirat Katar mit den Amerikanern seien „Zeitverschwendung“ gewesen.

Die radikal-islamischen Aufständischen hatten sich Anfang Jänner bereit erklärt, eine dauerhafte Vertretung in Katar zu eröffnen, um Verhandlungen mit den USA zu führen. Diese sollten schließlich zu einem Frieden in Afghanistan führen.

US-Präsident Barack Obama beschrieb bei einer Pressekonferenz mit dem britischen Premier David Cameron den Amoklauf als „tragisch“, äußerte sich aber ablehnend zum Thema eines früheren Abzugs. Man wolle die Afghanistan-Mission „verantwortungsvoll“ beenden. Was den Zeitpunkt des Rückzugs betreffe, so sehe er momentan keinen Bedarf für „plötzliche Planänderungen“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.03.2012)

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