Korruptionsskandal: Lega Nord-Chef Bossi tritt zurück

Umberto Bossi ist am Donnerstag von seinem Parteiamt zurückgetreten. Der Chef der rechtspopulistischen Partei stand zuletzt unter massivem Druck: Der Schatzmeister seiner Partei soll Staatsgelder veruntreut haben.

(c) EPA (Daniel Dal Zennaro)

Rom. Sein Saubermann-Image war zerstört: Umberto Bossi, Chef der rechtspopulistischen Oppositionspartei Lega Nord in Italien, ist am Donnerstag Nachmittag von seinem Parteiamt zurückgetreten. Der Vorsitzende und Gründer der föderalistisch-gesinnten Partei zog damit die Konsequenzen aus einem ausgedehnten Skandal um illegale Parteienfinanzierung, der ihn und seine Familie schwer belastet. Im Sog der Affäre war bereits der Schatzmeister der Lega Nord, Francesco Belsito, zurückgetreten.

Jahrzehntelang führte die separatistische Lega Nord von Umberto Bossi einen regelrechten Feldzug gegen „Roma ladrona“, das räuberische Rom. In der Wahl der Mittel waren die Rechtspopulisten aus dem Norden nie zimperlich. Daran änderte auch die Tatsache nichts, dass die Lega selbst immer wieder in Rom auf der Regierungsbank saß. Genüsslich spielte sie bis zuletzt die Rolle des Königsmachers von Silvio Berlusconi und gab sich zugleich als Radikalopposition. Doch der süßen Verführung der Macht konnte auch Bossi nicht widerstehen, er klammerte sich an sie, bis es zu spät war.

Unter dem Druck der Eurokrise musste Berlusconi – und mit ihm sein langjähriger Verbündeter Umberto Bossi – im November schließlich vom Regierungsamt zurücktreten, seither bekämpfte die Lega als einzige Partei im Parlament die neue Technokratenregierung von Mario Monti erbittert.

 

Ende der Karriere?

Nun erschütterte ein gigantischer Korruptionsskandal die Partei der selbst ernannten Saubermänner bis ins Mark. Die Affäre drohte ihren Ruf der Unbestechlichkeit zu zerstören, und das wenige Wochen vor wichtigen Kommunalwahlen.

Am Dienstag rückten Steuerfahndung und Polizei in der Mailänder Parteizentrale und in mehreren Privatwohnungen von hohen Funktionären an, am Mittwoch wurden auch im Römer Parlament Büros durchsucht. Der Verdacht dreier ermittelnder Staatsanwaltschaften: Schatzmeister Francesco Belsito, einer der engsten Vertrauten Bossis, soll sich der Unterschlagung, Geldwäsche und des Betrugs in großem Stil schuldig gemacht haben. Über ein weit verzweigtes Netz soll der 41-Jährige Gelder in Millionenhöhe aus der staatlichen Parteienfinanzierung veruntreut haben.

Auch die Familie Bossi profitierte offenbar von seinem buchhalterischen Talent. Reisen, Hotelaufenthalte und Restaurantbesuche in Höhe von 670.000 Euro allein im letzten Jahr soll Belsito aus der Parteikasse bezahlt, Bossis Söhnen soll er teure Autos, seiner Frau die Gründung einer Privatschule finanziert haben. In den beschlagnahmten Unterlagen fanden die Ermittler auch eine Akte, betitelt „Family“.

Bereits im Dezember waren Vorwürfe gegen den einstigen Bodyguard laut geworden, er habe durch Transaktionen in Tansania und Zypern Parteigelder in Millionenhöhe gewaschen.

Zunächst weigerte sich Bossi zurückzutreten. Alle Vorwürfe wies er brüsk als „Kampagne“ zurück. Gestern zog er schließlich die Konsequenzen aus dem Skandal.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.04.2012)

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