Tag der Trauer: USA gedenken der Opfer von 9/11

Zum zehnten Jahrestag des 11. September 2001 wird den 3000 Menschen gedacht, die bei den Terroranschlägen ums Leben kamen.

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USA gedenken der Opfer der 9/11-Anschläge – Reuters

Zehn Jahre nach den Anschlägen vom 11. September 2001 haben die USA mit einer bewegenden Zeremonie am Ground Zero in New York an die fast 3000 Opfer erinnert. An dem Ort, wo Extremisten des Terrornetzwerks Al Kaida das World Trade Center mit gekaperten Flugzeugen zum Einsturz brachten, verlasen Hinterbliebene am Sonntag die Namen der Getöteten. Die Veranstaltung markierte den Höhepunkt des tagelangen Gedenkens an 9/11.

Präsident Barack Obama und sein Vorgänger George W. Bush standen Seite an Seite hinter einer dicken Panzerglasscheibe, als ein Chor die Zeremonie mit der US-Nationalhymne eröffnete. Danach folgte eine Schweigeminute in Erinnerung an den Einschlag des ersten Flugzeugs ins World Trade Center um 8.46 Uhr. Obama würdigte die Opfer in einer kurzen Ansprache: "Sie waren unsere Nachbarn, unsere Freunde, unsere Ehemänner, Ehefrauen, Brüder, Schwestern, Kinder und Eltern. Sie waren die, die zur Hilfe geeilt sind." Anschließend las er aus der Bibel den 46. Psalm "Gott ist unsere Zuversicht und unsere Stärke". Bush verlas er das berühmte Schreiben des früheren US-Präsidenten Abraham Lincoln (1861-65) an eine Frau, die im Amerikanischen Bürgerkrieg fünf Söhne verloren hatte.

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Die Veranstaltung im Süden Manhattans fand vor der Kulisse der in den Himmel wachsenden Neubauten des World Trade Centers statt. Mit sechs Schweigeminuten riefen die Teilnehmer die tragischen Ereignissen von 9/11 ins Gedächtnis. Sie verharrten still zu den Uhrzeiten, an denen die beiden Passagierflugzeuge in das World Trade Center rasten und die Zwillingstürme einstürzten. Auch an den Einschlag eines Flugzeugs ins Pentagon in Washington und den Absturz einer vierten entführten Maschine nahe Shanksville im Bundesstaat Pennsylvania wurde erinnert. Die Maschine war von den Passagieren zum Absturz gebracht worden, nachdem diese von den Anschlägen in New York erfahren hatten. "Sie gaben ihre Leben. Sie wussten genau, dass sie sterben", sagte US-Vizepräsident Joe Biden bei einer Trauerfeier vor dem Pentagon.

9/11: New York am 10. Jahrestag der Anschläge



Wie jedes Jahr wurden in New York auch heuer die Namen aller Opfer verlesen. War die Stimmung zu Beginn der Zeremonie noch heiter, wurde sie mit jedem Namen emotionaler. Viele Teilnehmer wischten sich Tränen aus dem Gesicht, manche verbargen ihre Augen hinter großen Sonnenbrillen. Einige Trauergäste hielten Poster mit dem Foto eines Opfers hoch, Kinder umklammerten Stofftiere, als könnten sie ihnen Halt geben.

Mahnmal für die Opfer

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Zum zehnten Jahrestag der Anschläge wurde am Ground Zero auch ein Mahnmal für die Opfer eröffnet. Die Gedenkstätte besteht aus zwei Granitbecken, die in die viereckigen Fundamente der eingestürzten Zwillingstürme eingelassen sind und an deren Seitenwänden sich Wasserfälle ergießen. Auf Bronzeplatten sind die Namen der bei den Anschlägen Getöteten eingraviert. Die Menschen suchten die Namen ihrer Angehörigen und kopierten sie mit Bleistiften auf Papier.

Tumulte durch Bush-Gegner

Am Rande der Gedenkfeier zum zehnten Jahrestag der Anschläge auf das World Trade Center ist es am heutigen Sonntag in New York zu Tumulten gekommen. Rund 100 Anhänger der Verschwörungstheorie, wonach die Regierung des damaligen US-Präsidenten George W. Bush die Attentate anordnete, um einen Kriegsvorwand zu haben, skandierten lautstark ihre Parolen. "The Bush Regime engineered 9-11" war auf einem großen Transparent zu lesen. Einer schrie: "Gebäude Nummer sieben wurde von keinem Flugzeug getroffen. Warum ist es eingestürzt? Wacht auf!"

Bush und Clinton in Shanksville

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Bereits seit Freitag erinnerten die USA mit einer Reihe von Zeremonien an die Anschläge. Auf dem Feld in Shanksville etwa weihten die Ex-Präsidenten Bush und Bill Clinton sowie Vize-Präsident Joe Biden am Samstag ein Denkmal für die 40 Opfer des dort abgestürzten Fluges ein. In New York wurde bei einem Gottesdienst an die 343 im Einsatz am WTC gestorbenen Feuerwehrmänner erinnert.

Neue Terrorwarnungen

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Das Gedenken war von neuen Terrorwarnungen überschattet worden. Obama rief nach Beratungen mit seinem Sicherheitskabinett am Samstag zu "erhöhter Wachsamkeit" auf. Die US-Behörden haben Hinweise darauf, dass Terroristen Anschläge mit Autobomben verüben könnten. In Medienberichten war von drei Verdächtigen die Rede, die Afghanistan verlassen haben sollen.

Scharfe Sicherheitskontrollen

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Die US-Behörden hoben die Terror-Warnstufe zwar nicht an, in New York und anderen Großstädten galten jedoch scharfe Sicherheitsvorkehrungen. Wegen eines Sicherheitsalarms wurde am Samstag der größte Flughafen von Washington, Dulles International, teilweise geräumt. Sprengstoffexperten der Polizei, die nach Angaben eines Sprechers einen "verdächtigen Gegenstand" in einem Fracht-Container untersuchten, gaben nach vier Stunden Entwarnung.

"Heute ist Amerika stark"

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In seiner wöchentlichen Radioansprache hatte Obama angekündigt, den Kampf gegen den Terror entschlossen fortzusetzen. "Wir werden das Land, das wir lieben, schützen und es sicherer, stärker und wohlhabender an die nächste Generation übergeben," erklärte der Präsident. "Heute ist Amerika stark, Al Kaida aber ist auf dem Weg zur Niederlage". In einem am Sonntag ausgestrahlten Interview mit dem TV-Sender NBC sagte Obama, dass die Menschen in den USA am 11. September 2001 in der Stunde des Leids zusammengestanden hätten. "Wir haben unsere Werte bewahrt. Wir haben unseren Charakter bewahrt", sagte er.

Gedenken in aller Welt

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Auch international wurde des zehnten Jahrestags der Terroranschläge vom 11. September 2011 gedacht. In Berlin und London fanden Gedenkgottesdienste statt, Us-Soldaten in Afghanistan gedachten der Opfer mit US-Flaggen auf halbmast. In Madrid weihten Kronprinz ´ eine Gedenkstätte mit zehn Eichen ein. Papst Benedikt XVI. betete zum Abschluss einer Messe im italienischen Ancona für die Opfer der Terroranschläge und die Angehörigen und appellierte an die Menschheit, "Gewalt als Lösung von Problemen abzulehnen".

"Der Kampf ist noch nicht vorüber"

Bundespräsident Heinz Fischer warnte bei der Eröffnung des Linzer Brucknerfestes vor dem gewachsenen allgemeinen Misstrauen, dessen sich auch bestimmte politische Strömungen bedienten. "Ich glaube, dass das ein gefährliches Spiel ist." Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu erklärte, der Kampf gegen Islamistenterror sei noch in vollem Gange. "Der Kampf ist noch nicht vorüber, wir befinden uns immer noch in seinem Mittelpunkt", sagte er am Sonntag während der wöchentlichen Kabinettssitzung in Jerusalem. Der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad warf den USA dagegen vor, den 11. September 2001 als "Vorwand" benutzt zu haben, "um den Irak und Afghanistan anzugreifen und dabei das Blut unschuldiger Menschen zu vergießen".

(APA/Reuters/AFP/dpa)

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