EU beschließt Beitrittsverhandlungen mit Serbien

Die Gespräche sollen spätestens im Jänner 2014 beginnen. Das Grüne Licht aus Brüssel wurde ausgerechnet am Veitstag, dem "Schicksalstag" der Serben, erteilt. Den Weg ebenete eine Annäherung an die Ex-Provinz Kosovo.

European Commision President Barroso greets Serbian PM Dacic after a joint news conference in Brussels
European Commision President Barroso greets Serbian PM Dacic after a joint news conference in Brussels
Serbiens Premier Ivica Dacic mit EU-Kommissionspräsident Barroso – REUTERS

Auf diesen Tag hat man in Belgrad lange und sehnlichst gewartet: Die EU-Staats- und Regierungschefs einigten sich am Freitag darauf, mit Serbien über einen EU-Beitritt zu verhandeln. Die Gespräche sollen spätestens im Jänner 2014 beginnen. Deutschland hatte sich gegen einen Start noch im heurigen Jahr gestellt, wie ihn etwa Österreich gefordert hatte.

Die Brüssler Entscheidung wurde ausgerechnet am 28. Juni getroffen, dem St. Veitstag, einem Schlüsseltag der serbischen Geschichte: Am 28. Juni 1389 verlor ein christliches Heer die Schlacht auf dem Amselfeld gegen die Osmanen, eine Schlacht, die später als Grundlage des serbischen Opfermythos diente. Am Veitstag 1914 tötete Gavrilo Princip den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand, was den unmittelbaren Auslöser für den Ersten Weltkrieg darstellt. Schließlich wurde am 28. Juni 2001 der gestürzte Autokrat Slobodan Milošević an das Haager Kriegsverbrechertribunal ausgeliefert.

Radikale Gruppen hintertreiben Einigung

Möglich geworden ist das Grüne Licht aus Brüssel letztlich durch eine Annäherung Serbiens an seine ehemalige Provinz Kosovo. Diese hatte sich unter Protest Belgrads im Februar 2008 abgespalten, was Serbien bis heute nicht anerkennt. Im April haben - unter Vermittlung und Druck der EU - Serbien und Kosovo aber ein Abkommen geschlossen, das zumindest die Beziehungen verbessern soll. Sichtbarstes Zeichen dieser Annäherung war die wechselseitige Eröffnung von Verbindungsbüros in der vergangenen Woche.

Die Normalisierung besteht derzeit allerdings vor allem auf dem Papier, und sowohl auf serbischer als auch auf kosovarischer Seite gibt es Gruppen, die die Einigung noch hintertreiben wollen. So kam es etwa bei der Annahme des Abkommens durch das kosovarische Parlament am Donenrstag zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei. Auf der anderen Seite weigern sich Vertreter der Serben im Norden des Kosovo weiterhin, das Abkommen umzusetzen.

 

 

(APA/hd)

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