EU verbietet kostenlose Plastiksackerl ab 2018

100 Milliarden Stück Jahresverbrauch in der EU sollen bald Geschichte sein. Für NGOs ist die neue Richtlinie zu schwach, die Grünen begrüßen sie.

Symbolbild: Einkaufssackerl aus Plastik.
Symbolbild: Einkaufssackerl aus Plastik.
Symbolbild: Einkaufssackerl aus Plastik. – (c) Bloomberg (Johan Jeppsson)

Eine EU-Richtlinie, die den Verbrauch von Plastiksackerln mindern und damit vor allem den Lebensraum Meer schützen soll, ist am Dienstag vom Europaparlament angenommen worden. Für die EU-Staaten bedeutet dies eine verpflichtende Reduktion der Sackerln bis Ende 2019 sowie das Ende der kostenlosen Abgabe bis Ende 2018. Beim Verbrauch ist Österreich schon jetzt fast auf Kurs.

100 Milliarden Stück beträgt der jährliche Verbrauch an Tragetaschen aus Plastik in den EU-Staaten, so die Zahlen der EU-Kommission aus dem Jahr 2010 - und die große Mehrheit davon, nämlich 89 Prozent, wird nur einmal verwendet. "Die Sackerln werden dann zum Problem, wenn sie weggeworfen werden", sagte Margrete Auken, zuständige Chefunterhändlerin des Parlaments und Abgeordnete bei den dänische Grünen, am Tag vor der Abstimmung gegenüber Journalisten.

Gemüsesackerl vorerst ausgenommen 

Die kleinen Sackerln, die etwa für das Einpacken von Obst und Gemüse in den Supermärkten verwendet werden, sind von der Richtlinie jedoch ausgenommen, wie auch jene mit einer Dicke von unter 15 Mikron. Hier soll die EU-Kommission aber zwei Jahre nach Inkrafttreten der Richtlinie einen Bericht präsentieren, mit welchen Mitteln man auch die Nutzung dieser Produkte eindämmen kann.

Bereits die jetzige Reduktion sei zum Vorteil für Umwelt und Verkäufer, kommentierte Auken den Kompromiss. Bei der Wahlfreiheit, entweder ab Ende 2018 die Sackerln nicht mehr gratis abzugeben oder mit anderen Optionen den Verbrauch bis 2019 auf 90 Sackerln pro Person und bis 2025 auf 40 zu reduzieren, empfahl Auken die erstere Variante. "Die Bepreisung von Sackerln mit 50 Cent führte in Irland zu einer Reduktion von 90 Prozent in nur fünf Monaten", argumentierte die Chefunterhändlerin.

In Österreich betrug der Pro-Kopf-Verbrauch jedenfalls laut den EU-Kommissionszahlen schon 2010 bereits 51, womit man beim Gesamtverbrauch den drittbesten Wert unter den EU-Staaten erreichen konnte. Jedoch wurden von diesen 51 Sackerln 45 nur einmal verwendet.

Kritik von NGOs, Zustimmung von Grünen

Die Plastikrichtlinie ist von Greenpeace "als zu schwach geratener Kompromiss" kritisiert worden, da etwa die dünnen Obstsackerl keine Berücksichtigung gefunden haben. "Die heutige finale Zustimmung setzt einen Meilenstein bei der Reduzierung von Plastikmüll", kommentierte hingegen Grün-Abgeordnete Ulrike Lunacek das Ergebnis.

"Aufgrund massiven Lobbyings aus London zugunsten eines britischen Unternehmens konnte das EU-Parlament ein Verbot der umweltschädlichen besonders dünnen Oxo-Plastiksackerl nicht durchsetzen", bemängelte Lunkacek und forderte zumindest eine Umweltverträglichkeitsprüfung für diese Produkte und ein Totalverbot als Folge davon. Denn dass diese Produkte in Mikro-Plastikteilchen zerfallen, würde die Umwelt besonders gefährlich schädigen.

Global 2000 sah ebenfalls einen Kompromiss, der "ein ambitioniertes Ziel in total abgeschwächter Form hervorgebracht hat - und dies sowohl von der zeitlichen Zielsetzung, wie auch vom Reduktionsziel her", sagte Geschäftsführerin Leonore Gewessler gegenüber der APA. Österreich habe jedenfalls ambitioniertere Maßnahme notwendig. Gewessler wies auch darauf hin, dass im März eine Studie ergab, dass 40 Tonnen an Plastik jährlich in der Donau landet. Rupprechter kündigte bei der Präsentation der Studie ein Zehn-Punkte-Programm als Gegenmaßnahme an.

(APA)

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