Österreicher lehnen EU-Beitritt der Türkei kategorisch ab

Umfrage. Die heimische Bevölkerung hält die Aufnahme weiterer Länder in die EU derzeit insgesamt für wenig begrüßenswert.

Wien. Das Ergebnis könnte deutlicher nicht ausfallen. Drei Viertel der Österreicher würden einen Beitritt der Türkei zur Europäischen Union nach jetzigem Stand ablehnen, wie eine Umfrage der Sozialwissenschaftlichen Studiengesellschaft im Auftrag der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik (ÖGfE) vom vergangenen Herbst ergeben hat. Lediglich 13 Prozent gaben an, den Beitritt zu begrüßen, sieben Prozent ist das Thema egal.

Im Lauf der Zeit hat sich die ablehnende Haltung der heimischen Bevölkerung in dieser Frage kaum verändert. Im Herbst 2010 waren es knapp 70 Prozent, die sich gegen einen Beitritt der Türkei ausgesprochen hatten, im September 2014 gar 84 Prozent. Schuld daran dürfte nicht nur die politische Entwicklung in Ankara sein, sondern die allgemeine Erweiterungsmüdigkeit, die sich hierzulande breitmacht. So lehnt eine Mehrheit der Österreicher derzeit auch den Beitritt der Länder Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Mazedonien, Serbien, Kosovo und Albanien ab – so drastisch wie im Fall der Türkei fällt das Ergebnis aber bei keinem anderen Land aus.

Insgesamt halten 78 Prozent eine Erweiterung der EU für weniger oder gar nicht wichtig, nicht einmal ein Fünftel aller Befragten hingegen für sehr wichtig oder wichtig. Kein Wunder also, dass die Ankündigung von Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, während seiner (ersten) fünfjährigen Amtszeit keine neuen Mitglieder in die Union aufzunehmen, bei drei Viertel der heimischen Bevölkerung auf Anklang stieß.

 

Vertiefung der Union gewünscht

Selbst wenn die Beitrittsverhandlungen mit Ankara auf politischer Ebene durch den Flüchtlingsdeal neuen Antrieb erhalten, dürfte die europäische Bevölkerung diese Entwicklung bestenfalls mit Argwohn betrachten: Ähnlich wie in Österreich ist die Stimmung auch in mehreren anderen Mitgliedstaaten.

Dabei zeigt sich der eindeutige Trend, dass die EU-Bürger zwar für eine Vertiefung der Zusammenarbeit der bereits bestehenden Mitgliedstaaten sind: Laut ÖGfE-Umfrage würden dies 81 Prozent der Österreicher befürworten. Die Erweiterung aber bleibt bis auf weiteres ein rotes Tuch. (red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.04.2016)

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