Der TANZ als Mittel der Außenpolitik

Diplomatie. Die Tradition von Tanzveranstaltungen rund um internationale Konferenzen hat sich seit 1815 bewährt.

Karin Kneissl kam ins Schwärmen. Der britische Außenminister, Jeremy Hunt, sei ein ausgezeichneter Tänzer. Sie hätten beide gestern Abend im Palais Liechtenstein einen Bossa nova getanzt. Die Außenministerin griff – wie sie ausdrücklich betonte – im Rahmen des EU-Vorsitzes auf eine gute österreichische Tradition zurück: Diplomatie und Tanz zu verbinden.

Tatsächlich gehören Tanzveranstaltungen und Bälle seit dem Wiener Kongress zum fixen Repertoire der heimischen Außenpolitik. Die gemeinsamen Schwünge über das Parkett lösen die Verkrampfungen, sorgen für eine gute Stimmung und fördern das Entgegenkommen. Schon 1815 dominierte der Tanz den Rahmen der schwierigen Verhandlungen über eine Neuaufteilung der Macht in Europa. Am Rand des Wiener Kongresses gab es insgesamt 84 Feste.

Auch der Wiener Opernball gehört seit damals zu den Orten der internationalen Begegnung. Er wurde seitdem über viele Jahrzehnte von der jeweilen Regierung genutzt, um Kontakte zu fördern und zu vertiefen. Immerhin schwangen hier der bayrische Ministerpräsident Franz Josef Strauß, UN-Generalsekretär Ban Ki-moon und zuletzt der Präsident der Ukraine, Petro Poroschenko, das Tanzbein.

„Ich habe schon mit vielen Männern getanzt“, erzählte Außenministerin Kneissl im vergangenen Sommer bei der Abschlusspressekonferenz zum informellen Treffen der EU-Außenminister – ein kleiner Seitenhieb auf jene, die ihren Tanz mit Russlands Präsident, Wladimir Putin, anlässlich ihrer Hochzeit wenige Wochen zuvor kritisiert hatten. Sie kam bei ihrer Lobhymne auf den Tanz als individuelles diplomatisches Mittel so sehr in Fahrt, dass sich die neben ihr stehende EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini mitten in der Pressekonferenz zum Einschreiten gezwungen sah: „I would stop now“, empfahl sie der Gastgeberin vor laufender Kamera.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.11.2018)

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