Der Traum von der Weltwährung

Kaum ist die Währungsunion wieder stabil, arbeitet Brüssel daran, den Euro ins Rennen gegen den Dollar zu schicken. Die vorhandenen Instrumente dafür sind freilich beschränkt.

36 Prozent der weltweiten Zahlungen werden bereits in Euro abgewickelt. Im wichtigen Energiesektor und als Reservewährung dominiert allerdings nach wie vor der Dollar.
36 Prozent der weltweiten Zahlungen werden bereits in Euro abgewickelt. Im wichtigen Energiesektor und als Reservewährung dominiert allerdings nach wie vor der Dollar.
36 Prozent der weltweiten Zahlungen werden bereits in Euro abgewickelt. Im wichtigen Energiesektor und als Reservewährung dominiert allerdings nach wie vor der Dollar. – (c) REUTERS (Leonhard Foeger)

Brüssel/Wien. Es hat sich ein historisches Zeitfenster geöffnet, in dem Europa punkten kann: Der protektionistische, in sich gekehrte Wirtschaftskurs der US-Regierung unter Donald Trump erleichtert es der EU, international an Boden zu gewinnen. Zum einen geschieht dies bereits mit einer Vielzahl neuer Handelsverträge. Zum anderen will die EU-Kommission nun auch das Rennen zwischen Dollar und Euro für sich entscheiden. Am Mittwoch stellte sie Maßnahmen vor, um die internationale Bedeutung der Gemeinschaftswährung zu stärken.

Gelingt es, den Euro als Weltwährung Nummer eins zu platzieren, hätten vor allem die 19 Teilnehmerländer Vorteile. Für sie würde bei vielen internationalen Geschäften das Wechselkursrisikos entfallen, was geringere Kosten und mehr Verlässlichkeit bringen würde. Eine relativ stabile Währung wie der Euro, so argumentiert die EU-Kommission, würde zudem das internationale Finanzsystem positiv beeinflussen.

Schon jetzt ist der Euro hinter dem Dollar die zweitwichtigste Währung der Welt. Rund 36 Prozent der globalen Zahlungen erfolgen mit der Gemeinschaftswährung (Dollar: 40Prozent). Insgesamt 60 Länder haben ihre nationale Währung an den Euro gebunden. In Montenegro ist er mittlerweile das einzig relevante Zahlungsmittel. Bei den von nationalen Zentralbanken gehaltenen Währungsreserven liegt der Euro mit 20 Prozent aber deutlich hinter dem Dollar mit 60 Prozent.

Und in einem der relevantesten internationalen Sektoren dominiert nach wie vor der Dollar: Energie. Laut dem zuständigen EU-Kommissar, Arias Cañete, importiert die EU jährlich Energie im Wert von 300 Mrd. Euro. Verrechnet werden aber 80 Prozent der Öl- und Gaslieferungen in Dollar. Und hier will die Kommission in den nächsten Monaten ansetzen: Sie wird mit den Marktteilnehmern und Interessenvertretungen eine Strategie zur Stärkung des Euro im Energiesektor beraten. Beispielsweise soll die Gemeinschaftswährung dort bewusst eingesetzt werden, wo das EU-Unternehmen selbst entscheiden können – etwa bei internationalen Investitionen im Energiesektor. Auch aktuelle Richtwerte für Rohöl etc. sollen künftig – wenn möglich – in Euro ausgewiesen werden. Ziel ist es, dass letztlich die meisten Lieferungen in Euro abgerechnet werden.

 

Hoffnung auf Souveränität

Ähnlich soll bei anderen Rohstoffen wie Metallen vorgegangen werden. Nicht zuletzt plant die Kommission auch im internationalen Lebensmittelhandel eine Umstellung der Zahlungen auf den Euro. Aufholbedarf gibt es zudem bei der Abwicklungen von Geschäften der Transportindustrie (Flugzeuge, Schiffe, Eisenbahnen). Auch hier dominiert bisher der Dollar. Der politische Spielraum zur Forcierung des Euro ist allerdings begrenzt. Die EU-Kommission kann die Abrechnung internationaler Geschäfte in einer bestimmten Währung nicht verordnen.

Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hatte in seiner Rede zur Lage der Union im September den Euro als Werkzeug für eine neue europäische Souveränität bezeichnet. Tatsächlich würde der Euro, wenn er sich als bedeutendste Weltwährung etablierte, die Risken durch externe Schocks für europäische Unternehmen verringern. Wichtigste Voraussetzung für eine weltweite Nutzung des Euro bleibt jedoch seine Stabilität. Nach der Überwindung einer schwierigen Phase während der Griechenland-Krise wurden zwar strengere Regeln für alle Teilnehmerstaaten beschlossen, Italien brach aber zuletzt aus nationalen Interessen erneut aus diesem Korsett aus.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.12.2018)

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