Wie stark profitieren die EU-Staaten vom Binnenmarkt?

Kleine, offene Mitgliedstaaten im Kern der EU profitieren überdurchschnittlich stark von der Teilnahme am gemeinsamen Binnenmarkt.

EU Referendum - Strasbourg The Seat Of The EU Parliament
EU Referendum - Strasbourg The Seat Of The EU Parliament
Der Sitz des EU-Parlaments in Straßburg. – Getty Images

Wien/Brüssel. Wie stark profitieren die Mitgliedstaaten und Regionen der EU vom gemeinsamen Binnenmarkt? Dieser Frage ist die Bertelsmann Stiftung in einer am gestrigen Mittwoch veröffentlichten Studie nachgegangen. Die Ergebnisse der Untersuchung, bei der die Effekte der Teilnahme am EU-Markt auf das Pro-Kopf-Einkommen berechnet wurde, lassen mindestens drei Schlüsse zu.

"Die Presse"-Grafik

Schluss Nummer eins: Der Kern der EU profitiert mehr von der Anbindung als die Peripherie (siehe Grafik) – was der Logik des sogenannten „Gravitationsmodells“ entspricht, das bei der Berechnung der Binnenmarkt-Effekte verwendet wurde. In diesem Modell spielen Marktgröße und Entfernung zu den anderen Handelspartnern eine bedeutende Rolle. Und nachdem Deutschland das ökonomische Gravitationszentrum der EU ist, liegt es auf der Hand, dass sich die positiven Effekte des Binnenmarkts um die Bundesrepublik verteilen.

Die zweite Erkenntnis: Je kleiner und je offener eine Volkswirtschaft ist, desto größer ihr Anteil am Binnenmarkt-Kuchen – und das auch dann, wenn sie nicht EU-Mitglied ist. Gemäß der Bertelsmann-Studie ist nämlich die Schweiz mit 2914 Euro pro Einwohner an Einkommensgewinnen der größte Profiteur des offenen Markts. Die Eidgenossenschaft hat ihren Zugang zum Binnenmarkt mit einer Vielzahl bilateraler Verträge mit der EU gesichert. Innerhalb der Union selbst sind Luxemburg (2834 Euro) und Irland (1894 Euro) die größten Gewinner, gefolgt von Dänemark (1682 Euro), Belgien (1627 Euro) und Österreich (1583 Euro). Für Deutschland wurde ein Pro-Kopf-Zugewinn von 1046 Euro ermittelt.

Erkenntnis Nummer drei: Die Gesetze der ökonomischen Schwerkraft wirken auch auf regionaler Ebene, wie das Beispiel Österreichs verdeutlicht. Während Wien mit einem Einkommenszuwachs von 1711 Euro klar über dem österreichischen Durchschnitt liegt, sind die Zuwächse in den drei westlichen Bundesländern Salzburg (2038 Euro), Tirol (1937 Euro) und Vorarlberg (2062 Euro) noch höher. Am anderen Ende des Spektrums befindet sich das Burgenland, das lediglich in einem Ausmaß von 1083 Euro pro Kopf vom Binnenmarkt profitieren kann. (la)


[PG1RF]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.05.2019)

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