Die schottische Tory-Chefin gibt auf

Nach der Parlamentssuspendierung trat Ruth Davidson zurück.

Ruth Davidson.
Ruth Davidson.
Ruth Davidson. – (c) imago images / PA Images (www.JamieStewartPhoto.com)

London. Ein politischer Vollprofi weiß den Zeitpunkt seines Abgangs perfekt zu wählen. So darf davon ausgegangen werden, dass Ruth Davidson nicht zufällig gestern, Donnerstag, ihren Rücktritt als Chefin der schottischen Konservativen verkündete, als eine Welle wütender Empörung über die Zwangsbeurlaubung des Parlaments durch das Land ging und ein Antrag auf eine einstweilige Verfügung gegen den Schritt von Premierminister Johnson von einem Gericht in Schottland zur sofortigen Entscheidung vorgereiht wurde. Davidson schrieb in ihrem Rücktrittsbrief offen von einem „Konflikt über den Brexit, den ich nie verheimlicht habe“, nannte aber auch private Gründe.

Im Gegensatz zu Johnson befürwortete Davidson stets den Verbleib in der EU. In ihrer Abschiedspressekonferenz betonte sie nun, Johnson habe ihr „unter vier Augen versichert, dass er einen Deal mit der EU will“ und appellierte an die Abgeordneten: „Der beste Weg, einen No Deal zu vermeiden, ist, einem Deal zuzustimmen.“ Mit ähnlich erfrischend klaren Aussagen und Entschlossenheit hatte es die 40-jährige Davidson geschafft, die schottischen Konservativen vor dem sicher scheinenden Tod zu retten. Dass die ehemalige Soldatin und Journalistin mit einer Frau in Partnerschaft lebt und explizit liberale Positionen verfocht, die für viele Konservative eine Herausforderung waren, tat ihrem Erfolg und ihrer Beliebtheit keinen Abbruch. Bei der Unterhauswahl 2017 vergrößerte sie die Zahl der Mandate ihrer Partei in Schottland von einem auf 13. (gar)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.08.2019)

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