Wie Staaten den Umgang mit Waffen regeln

Waffen in Privat-Besitz sorgen aufgrund von Gewalttaten immer wieder für Diskussionen. Ein Überblick wie welche Staaten mit dem Thema umgehen.

Symbolbild
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(c) EPA (ANDREW GOMBERT)

USA

Das Recht auf den Besitz einer Waffe ist durch einen Zusatzartikel in der Verfassung geschützt. Der Besitz von Maschinengewehren, Granaten und Sprengstoffmunition wurde bereits 1934 eingeengt und mit einer vorab Untersuchung durch das FBI erschwert. 1968 wurde das Verschicken von Waffen per Post eingeschränkt und der Verkauf an Schwerverbrecher illegalisiert.

Die Gesetzgebung ist in den einzelnen Staaten sehr unterschiedlich. Die liberalste Gesetzgebung findet sich in Arizona. Dort kann sogar in einem Supermarkt zwischen einer breiten Palette von Waffen ausgewählt werden. Zum Kauf benötigt man lediglich einen Ausweis und einen kurzen "Background-Check" per Strafregister. 

2010 erklärte der Oberste Gerichtshof das Verbot von Waffen als verfassungswidrig. Chicago beispielsweise hatte vor 28 Jahren ein Verbot für Handfeuerwaffen eingeführt. 55 Prozent der Bevölkerung wollen keine Änderung an der bestehenden Gesetzeslage, weshalb  Initiativen für strengere Regelungen für Politiker sehr riskant sind.

Europäische Union

Die Union hat mit Hilfe von Vorgaben für einen einheitlichen Grundstandard gesorgt. Dabei waren zwei Regelungen wesentlich: 2007 wurde das Mindestalter für den Besitz von Waffen auf 18 erhöht - die Regelung war bis 2010 von den Mitgliedsstaaten umzusetzen. Bis dahin blockierte Finnland die Initiative. Nach einem Amoklauf 2007 in einer Schule hat die finnische Regierung aber zugestimmt. Außerdem müssen mit Ende 2014 auch Waffen der Kategorie C  und D - darunter fallen verschiedene Arten von Büchsen und Flinten - beim Händler gemeldet und in einem Register erfasst werden.

Österreich

Waffen sind in Österreich in vier Kategorien eingeteilt. Besitz von Waffen der Kategorie A (Pumpguns, Kriegsmaterial) sind ab 21 Jahren nur per Sondergenehmigung erlaubt. Waffen der Kategorie B (Pistolen, Revolver) können nur mit Waffenbesitzkarte, Waffenpass und einer Begründung für den Besitz erworben werden. Waffen der Kategorie C und D sind frei zu erwerben, aber nur mit Waffenpass bzw. Jagdkarte auch zu verwenden.

Diese Gesetzeslage wurde 1997 ausgehandelt. Aus Anlass des Amoklaufes von Mauterndorf, bei dem ein 36-jähriger Mechaniker sechs Menschen tötete, wurde damals das Gesetz überarbeitet und verschärft. Zwischen 1997 und 2005 sind die Waffen in Privatbesitz um ein Viertel  und Waffenmorde um 67 Prozent zurückgegangen.

Schweiz

Generell kann jeder straffreie Bürger Waffen besitzen und Munition erwerben, wenn der Besitz nicht explizit reglementiert wird. Außerdem können Soldaten ihre Waffen persönlich verwaren, seit 2010 nach dem Militärdienst aber nur mehr mit Waffenschein. Außerdem wurde 2007 die Tauschmunition für Soldaten zur privaten Aufbewahrung abgeschafft. Ein Gesetzesvorschlag zur weiteren Verschärfung wurde 2011 allerdings vom Volk abgelehnt. Mit 45,7 Waffen pro 100 Einwohner belegt die Schweiz international Platz vier.

Deutschland

Aufgrund des Amoklaufes von Erfurt 2002, bei dem ein 19-Jähriger 16 Menschen tötete, wurde die Gesetzeslage überarbeitet. Seitdem liegt das Mindestalter für einen Waffenkauf bei 21 Jahren. Pumpguns mit Pistolengriff und Spring-, Fall-, Faust- und Butterflymesser wurden verboten. Personen unter 25 Jahren müssen beim Kauf einer Schusswaffe ein medizinisch-psychologisches Zeugnis vorlegen. Außerdem muss für den Erwerb einer Schreckschusswaffe ein kleiner Waffenschein vorgelegt werden. In Deutschland finden sich 30,3 Waffen pro 100 Einwohner.

Norwegen

Hauptsächlich werden in Norwegen Waffen für Sport oder die Jagd privat angeschafft. Um eine Besitzlizenz zu erhalten muss bei Jagdwaffen eine Jagdlizenz vorgezeigt und ein Kurs sowie eine Prüfung absolviert werden. Außerdem ist eine Registrierung als Mitglied in einem Jagdregister verpflichtend. Bei Sportwaffen muss zusätzlich zu einem Kurs auch in einem Verein ein halbes Jahr lang mit einer Waffe des Vereins trainiert werden, bevor man für eine private Waffe eine Besitzlizenz beantragen kann. Norwegen belegt international mit 31,2 Waffen pro 100 Einwohner Platz elf. 

Serbien

Serbien hat im Vergleich zum Rest Europas ein sehr liberales Waffengesetz. Gewehre und Flinten sind für alle Bürger erlaubt. Handfeuerwaffen sind unter gewissen Voraussetzungen erlaubt: Generell ist der Besitz ab 18 mit einer Genehmigung legal. Für eine solche muss begründet werden, weshalb man eine Waffe benötigt. Außerdem wird der Hintergrund der Person überprüft. Menschen mit geistiger Behinderung oder einer kriminellen Vergangenheit erhalten keine Genehmigung. Pro 100 Einwohner finden sich in Serbien 58,2 Waffen. Damit belegt das Land Platz zwei im internationalen Vergleich.

Statistik: Waffen in Privatbesitz

USA belegt mit 88,8 Waffen pro 100 Einwohner Platz eins. Serbien folgt mit 58,2 Waffen pro 100 Einwohner. Die Schweiz belegt mit 45,7 Waffen Platz vier. Tunesien liegt an letzter Stelle mit offiziell 0,1 Waffen pro 100 Einwohner.

 

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