Ballon-Unglück: Pilot hatte keine gültige Fluglizenz

Eine plötzliche Windänderung war die Ursache für das Heißluftballon-Unglück in Slowenien vom Donnerstag, bei dem vier Menschen getötet wurden.

Feuerwehrleute am Unglücksort in Slowenien
Feuerwehrleute am Unglücksort in Slowenien
Feuerwehrleute am Unglücksort in Slowenien – (c) AP Photo/Matej Leskovsek

Der Pilot des Heißluftballons, der am Donnerstag in Slowenien verunglückt ist, hatte keine gültige Fluglizenz. Das bestätigen die Behörden am heutigen Freitag. Die Lizenz sei ihm im Juni entzogen worden, weil er einen vorgeschriebenen Gesundheitscheck nicht rechtzeitig bestanden habe, berichtet die Agentur für zivile Luftfahrt. Der Mann war auch der Besitzer der Ballonfahrtfirma. Der Ballon war der einzige dieser Größe in Slowenien. Vier Menschen sind bei dem Unfall gestorben. Insgesamt 28 Personen wurden verletzt, davon 14 schwer.

Nach ersten Informationen der Luftfahrtermittler wurde das Unglück durch eine sogenannte "Windscherung in Bodennähe" verursacht. Das bedeutet eine plötzliche scharfe Änderungen der Richtung oder der Geschwindigkeit des Windes.

War Gewitter vorhersehbar?

Der Pilot wollte während eines Gewitters landen. Dabei machte die Windscherung den Ballon manövrierunfähig, erklärte der Leiter der slowenischen Luftfahrtermittler, Roman Rovansek slowenischen Medien. Durch den starken Wind sei der Ballon gegen einen Baum gekracht und mehrmals vom Boden abgeprallt, schließlich fing der Korb Feuer. Das Unglück geschah in einer Höhe von ungefähr 20 Metern bei einer Windstärke von 45 Stundenkilometer, berichtete die Tageszeitung "Vecer". Die Ermittler gehen davon aus, dass der Pilot zusätzlich das Gas aufdrehte, um den Ballon zu beherrschen.

Angesichts der Wettersituation - in den Morgenstunden näherte sich vom Westen eine Gewitterfront - fanden es viele Ballonfahrer am Donnerstag unverständlich, dass der Pilot an diesem Tag überhaupt geflogen ist. Es sei kein geeigneter Tag für eine Fahrt gewesen, wurden Kollegen in den Medien zitiert. Viele hätten am Donnerstag ihre Touren abgesagt.

Widersprüchliche Aussagen zur Wetterlage

Der Pilot eines zweiten Ballons, der zusammen mit dem verunglückten Ballon losfuhr, betonte jedoch, dass er selbst sowohl am Mittwochabend als auch Donnerstag früh die Wettervorhersage geprüft habe, jedoch nichts auf Gewitter hingedeutet habe. Der Pilot konnte seinen kleineren Ballon trotz Schwierigkeiten unmittelbar vor dem Crash des zweiten Ballons sicher landen.

Nach Angaben von Meteorologen hatte die Prognose vom Mittwoch tatsächlich keine Gewitter für Donnerstag früh vorhersagt, doch schon am nächsten Morgen war eine unstabile Wetterlage sehr wohl vorhersehbar gewesen. Das Gewitter sei bereits zwei Stunden vor dem Unfall auf den im Internet zugänglichen Radarbildern zu sehen gewesen, hieß es. Kurz vor 7 Uhr ist dann auch die erste Warnung für den Luftverkehr gesendet worden. Gerade zu dieser Zeit haben die beiden Ballons abgehoben.

Passagiere fielen aus dem Korb

Zu dem Unglück kam es eine Stunde später, kurz vor 8 Uhr nahe der Hauptstraße zwischen Ljubljana und dem Vorort Ig. Während der Start noch bei schönem Wetter verlief, hatte sich die Lage bei dem Landeanflug wesentlich verschlechtert. Der Pilot des glücklich gelandeten Ballons berichtete über starken Wind bei der Landung. Auch Überlebende und Augenzeugen bestätigten, dass der Ballon Probleme bei der Landung hatte. Er prallte mehrmals vom Boden ab, wobei die Passagiere aus dem Korb gefallen sind.

Die Todesopfer konnten bisher nicht identifiziert werden, weil die Leichen vollkommen verkohlt sind. Laut der Tageszeitung "Dnevnik" soll unter den Todesopfern nach inoffiziellen Informationen auch ein Kind sein. Die Zeitung berichtete, dass bei dem Unfall drei Mitglieder einer Familie aus Ljubljana sowie eine weitere Person getötet wurden. Auch die Identität eines Schwerverletzten konnte wegen der schweren Verbrennungen im Gesicht noch nicht festgestellt werden.

Auch sechs Kinder sind verwundet worden. Die meisten Verletzten erlitten Verbrennungen sowie Wirbelsäule- und Unterschenkelfrakturen. Am Donnerstagabend befanden sich noch acht Personen in kritischem Zustand. Auch der Pilot und der Kopilot wurden schwer verletzt.

(APA)

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