Fall Amanda Knox wird noch einmal aufgerollt

Das oberste Gericht in Rom hat den Freispruch aufgehoben. Damit müssen Knox und ihr Ex-Freund erneut wegen des Mordes an ihrer Mitbewohnerin vor Gericht.

Fall Amanda Knox beim Prozess am 3. Oktober 2011.
Fall Amanda Knox beim Prozess am 3. Oktober 2011.
Fall Amanda Knox beim Prozess am 3. Oktober 2011. – (c) EPA (PIETRO CROCCHIONI)

Der Prozess um Amanda Knox geht in die dritte Runde. Das Kassationsgericht in Rom (das höchste italienische Gericht) hat am Dienstagvormittag den 2011 gefällten Freispruch der beiden Hauptangeklagten im Mord an der britischen Studentin Meredith Kercher aufgehoben. Die Richter stimmten somit der Forderung der Staatsanwaltschaft von Perugia zu, die Rekurs gegen das Urteil eingereicht hatte. Der Prozess gegen Knox und ihren Ex-Freund Raffaele Sollecito wird über fünf Jahre nach dem Mord an Kercher neu aufgerollt. Der neue Prozess wird in Florenz stattfinden.

Knox reagierte bestürzt auf die Nachricht, dass ein neuer Prozess vor dem Schwurgericht beginnen wird. "Man glaubt mir immer noch nicht", sagte sie im Gespräch mit ihren Rechtsanwälten. Seit ihrer Rückkehr in die USA nach ihrem Freispruch im Herbst 2011 lebt Knox in Seattle. Ihr Ex-Freund Sollecito studiert in Verona.

>> Zur Chronologie des Mordprozesses

Die Rechtsanwälte der Familie der ermordeten britischen Austauschstudentin Meredith Kercher begrüßten das Urteil des Berufungsgerichts. "Ich hatte Vertrauen in die Kassationsrichter. Der Freispruch von Knox und Sollecito war das Resultat von zu vielen Fehlern", sagte Francesco Maresca, Verteidiger der Familie Kercher.

Auch der Generalstaatsanwalt im höchsten italienischen Gericht, Luigi Riello, begrüßte das Urteil. "Die Kassationsrichter haben eingesehen, dass unser Rekurs gegen den Freispruch Fundament hatte", kommentierte Riello.

Die Rechtsanwältin Sollecitos, Giulia Bongiorno, zeigte sich bestürzt. "Das ist ein Kreuzweg, der weitergehen wird. Wir werden verlangen, dass dieser Berufungsprozess so rasch wie möglich beginnen wird", sagte die Rechtsanwältin.

Urteil wegen Verleumdung bleibt

Nicht aufgehoben hat das Berufungsgericht aber die zweitinstanzliche Verurteilung von Knox wegen Verleumdung. Knox hatte kurz nach ihrer Festnahme den kongolesischen Barmann Patrick Lumumba beschuldigt, Kercher ermordet zu haben. Das Gericht bestätigte das erstinstanzliche Urteil bestätigt. Die Haftstrafe von drei Jahren hatte die Amerikanerin aber bereits abgesessen.

Mord bei Sex-Spielen

Das Urteil enthalte schwere logische und juristische Fehler, hatte die Staatsanwaltschaft von Perugia ihren Gang in die Berufung begründet. Die Richter von Perugia hätten die erstinstanzliche Verurteilung der beiden Angeklagten "banalisiert" und sie auf lediglich vier Gründe reduziert, sagte der Generalstaatsanwalt im Kassationsgericht Luigi Riello. Alle Bedingungen seien vorhanden, damit der "Vorhang über den Fall Meredith" nicht falle.

Kercher war Anfang November 2007 in Perugia offensichtlich bei Sex-Spielen umgebracht worden. In der ersten Instanz waren Knox und Sollecito noch schuldig gesprochen und zu 26 und 25 Jahren Haft verurteilt worden. Beide beteuerten ihre Unschuld. Das zweite Berufungsverfahren war bereits direkt nach ihrem Freispruch beantragt worden.

Bei der Gerichtsverhandlung vor dem Kassationsgericht am Montag war Francesco Sollecito, Vater von Knox' Ex-Freund, anwesend. Knox selber wurde von ihren Rechtsanwälten vertreten.

Ein Verurteilter sitzt in Haft

Der Ivorer Rudy Hermann Guede befindet sich weiterhin hinter Gittern. Er war wegen Beihilfe zum Mord und sexueller Gewalt zu 16 Jahren Haft verurteilt worden. Guede könne nicht allein für dieses Delikt verantwortlich gemacht werden, sagte Staatsanwalt Riello. In allen Blutlacken, die am Tatort gefunden worden waren, seien auch DNA-Spuren Amandas vorhanden gewesen.

(APA)

Kommentar zu Artikel:

Fall Amanda Knox wird noch einmal aufgerollt

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen