Gift-Cocktail statt Chianti: Pansch-Skandal in Italien

Ein Nachgeschmack von Salzsäure: Italien wird derzeit vom größten Weinskandal seiner Geschichte heimgesucht. Im gepanschten Billigwein war neben krebserregenden Substanzen nur ein Fünftel Traubenmost.

(c) Reuters (Charles Platiau)

Dünger, krebserregende Substanzen, Wasser, Zucker, Salzsäure und nur ein Fünftel Traubenmost: 70 Millionen Liter dieser Mischung sind als Billigwein in ganz Italien verkauft worden. Es ist der größte Lebensmittelskandal, der je in Italien entdeckt worden ist, sagen die Ermittler. Seit sechs Monaten haben sie sich auf die Fersen der Weinpanscher geheftet, berichtet das italienische Magazin "L'Espresso". Verkauft wurde der Wein unter verschiedenen Markennamen, in Flaschen und Tetrapaks, in allen Größen, aber immer zu einem Spottpreis: 70 Cent bis zwei Euro pro Liter.

Trotz laufender Ermittlungen war der Wein noch immer in Supermarktregalen zu finden. Bisher sind 20 Firmen in den Skandal verwickelt. Das Magazin "L'Espresso" berichtet, dass die Cosa Nostra im Hintergrund steckt. Die Produzenten haben sich 90 Prozent der Kosten erspart. Italienische Medien sprechen von "Velenitalia" - "Giftitalien".

Die üblichen Verdächtigen

Die Verdächtigen sind keine Unbekannten: Eine der involvierten Kellereien in Veronella war in einen Methanol-Weinskandal vor 22 Jahren verwickelt. Damals starben 19 Personen, 15 weitere verloren das Augenlicht duch die Mischung mit Industrie-Alkohol. Die Kellerei scheint nicht daraus gelernt zu haben: Bei einer Kontrolle entdeckten die Behören Behälter mit Salzsäure und Zucker. Chemische Analysen bestätigten den Verdacht, dass beides zu einem giftigen Billigwein gepanscht wurde. Der Besitzer wurde verhaftet.

Dass der gepanschte Wein ausgerechnet über zwei der größten Billigweinabfüller in Norditalien verbreitet wurde, beunruhigt die Italiener: Der Imageschaden sei größer als durch den Mozzarella-Skandal, als Dioxin im Büffelkäse nachgewiesen wurde. Der Billigweinmarkt ist in Italien heftig umkämpft, seit sich Produkte aus dem Ausland in den Regalen der italienischen Supermärkte breit machen. Die Regierung setzt daher auf Beruhigung und volle Aufklärung.

(Red.)

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