Ebola: Risiko „steigt mit jedem Tag“

Ein Flüchtling aus Liberia löste in Salzburg den Ebola-Notfallplan aus. Die größte Gefahr geht laut Experten aber nicht von Flüchtlingen aus, sondern von Reisenden mit dem Flugzeug.

WEITERE ENTWICKLUNG BEI EBOLA-VERDACHTSFALL IM LANDESKRANKENHAUS SALZBURG: HELL / R�HLE / FABER / GREIL
WEITERE ENTWICKLUNG BEI EBOLA-VERDACHTSFALL IM LANDESKRANKENHAUS SALZBURG: HELL / R�HLE / FABER / GREIL
HELL – R�HLE / FABER / GREIL / Bild: (c) APA/BARBARA GINDL (BARBARA GINDL)

Salzburg/Wien. In Salzburg wird ein Flüchtling aus Liberia im Spital streng abgeschirmt. Der 15-Jährige hat zwar keinerlei Symptome, gilt aber als Ebola-Verdachtsfall, weil seine Eltern an der Krankheit gestorben sind. Am Montag wurde der Flüchtling in der Stadt Salzburg aufgegriffen. Nach einer ersten Befragung durch die Polizei wurde der Ebola-Notfallplan aktiviert.

Noch ist die Inkubationszeit nicht vorbei, der Mann bleibt vorerst in Quarantäne. Um eine Ebola-Infektion festzustellen, müsste der Mann Fieber von über 38,5 Grad Celsius haben. Erst ab dieser Schwelle ist Ebola nachweisbar – und ansteckend. So oder so wirft der Fall neue Fragen auf.

1. Stellen Flüchtlinge eine besondere Gefahr für eine Übertragung dar?

Nein, heißt es aus dem Gesundheitsministerium. Die meisten Flüchtlinge kämen über komplizierte Land- und Wasserwege nach Europa. Diese Reisen dauern meist länger als die maximale Ebola-Inkubationszeit von drei Wochen. Anderer Meinung ist Richard Greil, Sprecher des Salzburger Krisenstabs. „Wenn fast 50 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht sind, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass wir mit solchen oder ähnlichen Erkrankungen rechnen müssen.“ Ein weiteres Problem: Man könne sich auf die Angaben der Flüchtlinge nicht verlassen.

2. Wo besteht die größte Gefahr für eine Übertragung nach Österreich?

Die größte Gefahr sind Flughäfen. „Flugzeuge sind gefährlich, weil sie schnell sind“, sagt Pamela Rendi-Wagner, Leiterin der Sektion Öffentliche Gesundheit im Gesundheitsministerium. In allen heimischen Flughäfen wurden daher Ebola-Krisenpläne etabliert. Die Flugzeug-Crew muss schon an Bord die Passagiere auf Anzeichen der Krankheit (etwa Fieber) beobachten. Bei einem Verdachtsfall wird das Flugzeug nach der Landung zu einem Notfallgate gelotst. Von dort wird der Verdachtsfall ins Krankenhaus gebracht – und die restlichen Passagiere werden untersucht. Auch das Gepäck wird speziell behandelt. Ein Vorteil sei, sagt Rendi-Wagner, dass es nach Österreich keine direkten Flüge aus den Ebola-Risikogebieten gebe.

3. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass Ebola Österreich erreicht?

Die Wahrscheinlichkeit „steigt mit jedem Tag“, sagt Rendi-Wagner. Je länger die Epidemie in Afrika dauere und je mehr Fälle bekannt würden, desto größer sei auch das Risiko für Europa.

4. Was passiert, wenn jemand tatsächlich Ebola hat?

Ein Ebola-Verdachtsfall wird sofort in einem Krankenhaus isoliert und das Blut zur Analyse geschickt. Musste man die Proben früher nach Hamburg schicken, kann Ebola seit Kurzem auch in Wien festgestellt werden. Dafür hat die Gesundheitsagentur Ages ein Ebola-Screeninglabor eingerichtet. Das Analyse-Ergebnis liegt nach drei bis vier Stunden vor. Behandelt kann ein Ebola-Patient nur in ausgewählten Schwerpunktkrankenhäusern werden. In Wien ist es das Kaiser-Franz-Josef-Spital.

5. Wie schützen sich Ärzte und Krankenschwestern vor Ebola?

Es gibt spezielle Schutzanzüge und Unterdruckzelte, damit Übertragungen der Krankheit so gut wie ausgeschlossen werden können. Ein Restrisiko bleibt aber immer, sagt Arzt Richard Greil vom Salzburger Krisenstab. Dazu kommt: Ebola ist als Erkrankung der Risikoklasse vier eingestuft. Die Schutzanzüge sind aber „nur“ für Risikoklasse drei – z.B. Sars – ausreichend. Salzburg hat nun entsprechende Anzüge bestellt. Doch die Lieferung ist nicht so einfach: „Alle Ressourcen auf Stufe vier gehen derzeit nach Afrika“, sagt Greil. Sollte bei dem Patienten tatsächlich Ebola ausbrechen, helfen in Salzburg das Rote Kreuz und das Bundesheer aus. Dort gibt es drei Schutzanzüge der Stufe vier.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.10.2014)

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